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Frozen - Tod im Eis  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 13. Februar 2013

Frozen - Tod im Eis

Untergenre: Abenteuerroman
Verlag: Loewe
Erschienen: Oktober 2012
ISBN: 978-3-7855-7471-3
Preis: 7,95 EUR

368 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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von 10
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Zum Inhalt:

Während einer Forschungsexpedition in die Antarktis verschwindet Henrys Vater, der international anerkannte Anthropologe Donald Wilkins, auf mysteriöse Weise. Kurzentschlossen macht sich Henry gemeinsam mit dem Rettungsteam auf die Suche nach ihm. Schon bald stoßen sie auf Hinweise, die vermuten lassen, dass Dr. Wilkins im ewigen Eis eine phänomenale Entdeckung gemacht hat: Inmitten eines bisher völlig unbekannten Gebirgsmassivs liegt eine gigantische Ruinenstadt, die Millionen Jahre alt sein muss, älter als die Menschheit. Doch keiner der Beteiligten ahnt, dass tief unter dem Eis etwas schläft. Etwas Uraltes, Böses. Und nun ist es erwacht ...

Meinung:

Auch ohne das Zitat von H. P. Lovecraft zu Beginn des Buches wird demjenigen Leser, der "Berge des Wahnsinns" kennt, schnell klar, dass "Frozen - Tod im Eis" von Jens Schumacher eine jugendgerecht Hommage an Lovecraft und sein Werk darstellt. Hier wird die Geschichte aus der Sicht des sechzehnjährigen Henry Wilkins erzählt, dessen Vater als Anthropologe an einer Forschungsexpedition in der Antarktis teilnimmt. Als sich die Gelegenheit ergibt, mit einer Ausrüstungslieferung mitzureisen und so seinen Vater zu überraschen, macht sich Henry auf den Weg an den Südpol. Doch bei der Ankunft in der Forschungsstation, von der aus Dr. Wilkins vor einigen Wochen gestartet ist, teilt man ihm und seinen Begleitern mit, dass sein Vater mitsamt seinem Team seit einigen Tagen vermisst wird.

So schnell wie möglich wird ein Rettungsteam zusammengestellt, das sich anhand der GPS-Daten, die von Dr. Wilkins' Forschungsteam in den vergangenen Wochen durchgegeben wurden, auf die Suche nach den Vermissten macht. Natürlich ist auch Henry dabei - in der Hoffnung, dass seinem Vater nichts Lebensbedrohliches zugestoßen ist. Doch schon die ersten Hinweise auf Dr. Wilkins' Reise und die damit verbundenen Entdeckungen lassen Schlimmes ahnen. Auf einem defekten Laptop kann der Junge ein paar Tagebucheinträge seines Vaters rekonstruieren, die nicht nur von einer sagenhaften Entdeckung, sondern auch von einem rätselhaften und erschreckenden Fund berichten. Während Link, der Techniker des Rettungsteams, sich wilden Alien-Fantasien hingibt, versuchen die anwesenden Wissenschaftler noch eine rationale Erklärung für die geschilderten Vorkommnisse zu finden.

Jens Schumacher greift nicht nur mit seiner Handlung Elemente aus Lovecrafts "Berge des Wahnsinns" auf. Auch die wissenschaftliche Haltung der Rettungsteam-Mitglieder und der Telegramm-artige Stil der Tagebucheinträge von Henrys Vater erinnern stark an das Vorbild. Dabei wirkt die Geschichte durch Henrys Perspektive und den schnörkellosen Erzählstil des Autors im Vergleich zu Lovecrafts Original persönlicher. Auch wird das Grauen in "Frozen" deutlich greifbarer und weniger subtil dargestellt, was zu einer vollkommen anderen Atmosphäre führt. Die Einführung eines zusätzlichen Gegenspielers in Form des machtgierigen Millionärs Wayne Spyker ermöglicht es Jens Schumacher, die Handlung deutlich actionreicher zu erzählen, so dass der Roman bis zum Ende für jugendliche (und erwachsene) Leser spannend bleibt.

"Frozen" kann auch ohne die Kenntnis von "Berge des Wahnsinns" problemlos als Roman überzeugen. Der Autor transportiert die Lovecraft'sche Grundidee gelungen in die heutige Zeit, erklärt alle notwendigen (wissenschaftlichen) Informationen schlüssig innerhalb der Geschichte und hat mit Henry einen Charakter geschaffen, dessen Erlebnissen man gerne folgt - obwohl Henry für seine sechzehn Jahre vielleicht etwas zu abgeklärt mit all den Herausforderungen umgeht, die diese Reise für ihn bereithält. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass er schon als kleiner Junge mit seinem Vater auf Forschungsexpeditionen unterwegs war und in seinem Alltag grundsätzlich sehr selbstständig sein muss, wirkt er häufig etwas zu rational für sein Alter. Trotz dieses nicht ganz so stimmigen Charakterzugs ist es Jens Schumacher gelungen, Henry als Figur überzeugend und sympathisch zu gestalten.

Auch wenn die Geschichte, auf der die Grundidee zu "Frozen" basiert, nicht von Jens Schumacher stammt, hat es der Autor geschafft, eine eigene Note in die Handlung einzubringen und H. P. Lovecrafts Ausgangssituation zu einem spannenden Roman für Jugendliche und Erwachsene weiterzuspinnen. Der flüssige Erzählstil, die atmosphärischen Beschreibungen des (Über-)Lebens in der Antarktis und die vielfältigen Charaktere sorgen dafür, dass man das Buch erst aus der Hand legen mag, nachdem man die letzte Seite gelesen hat. Und obwohl der Autor seine Geschichte recht modern und (gegen Ende) actionreich gestaltet hat, blitzt doch immer wieder ein Hauch des subtilen Lovecraft'schen Horrors durch und sorgt für ein angenehmes Gruseln beim Leser.

Fazit:

Mit "Frozen - Tod im Eis" hat Jens Schumacher eine Hommage an H.P. Lovecrafts "Berge des Wahnsinns" geschaffen, die nicht nur dem jugendlichen Zielpublikum, sondern auch erwachsenen Lesern gefallen wird. Dabei bringt der Autor durch die Perspektive des sechzehnjährigen Henry, die atmosphärischen Beschreibungen der Antarktis und einen machtgierigen Gegenspieler genügend eigene Elemente in die Geschichte ein, so dass selbst der Leser, der mit Lovecrafts Vorlage vertraut ist, noch viel Neues entdecken und so spannende und unterhaltsame Lesestunden erleben kann.
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