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Schweinehunde  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 14. Oktober 2012

Schweinehunde

Originaltitel: Svinehunde
Übersetzt von: Günther Frauenlob

Verlag: Knaur
Erschienen: Juli 2012
ISBN: 978-3-426-50778-0
Preis: 9,99 EUR

512 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Wer sind die Toten, die von zwei Schulkindern in einer Turnhalle entdeckt werden? Was haben die fünf Männer verbrochen, dass sie so brutal ermordet wurden? Dänemark steht unter Schock. Kommissar Konrad Simonsen und sein Team müssen den Mörder finden, bevor eine Hetzjagd das Land erschüttert.

Meinung:

Auf den ersten Blick wirkt das Thema von Lotte und Søren Hammers Debütroman "Schweinehunde" sehr vertraut, und auch die grausam verstümmelten Leichen, die am Anfang detailliert beschrieben werden, sorgen nicht dafür, dass sich der Roman von der Masse abhebt. Doch im Laufe der Geschichte gelingt es den Geschwistern, den Leser mit dem ungewöhnlichen Aufbau ihrer Handlung ebenso zu fesseln wie mit ihrem erschreckenden Abbild einer manipulierten Gesellschaft. Zu Beginn des Buchs entdecken zwei junge Kinder, die auf den morgendlichen Unterrichtsbeginn warten, die Leichen von fünf Männern in der Schulturnhalle.

Angesichts eines solch brutalen Verbrechens wird Kommisar Konrad Simonsen aus seinem schon lange fälligen Urlaub zurückgeholt und soll nun gemeinsam mit seinen Kollegen die Tat aufklären. Dabei hegen die Polizisten zwar schon früh den Verdacht, dass die Verstümmelungen an den Leichen ein Hinweis auf sexuelle Motive sein könnten, aber ohne die Identität der Opfer zu kennen oder weitere Informationen zu bekommen, können sie diese Vermutungen nicht als Basis für ihre Ermittlungen nehmen. Doch dann beginnt nur wenige Tage nach den Morden eine Kampagne in den Medien, bei der die fünf Ermordeten als Pädophile bezeichnet werden, deren Tod nur die gerechte Strafe für ihre Taten gewesen sei.

Dank verschiedener Perspektivwechsel kann der Leser die Handlung sowohl aus Sicht der diversen Ermittler als auch aus der Sicht der Täter verfolgen. So sind die Motive der Mörder ebenso wenig eine Überraschung wie der jeweilige Wissensstand, auf dem sich die Polizei befindet. Stattdessen erzeugen Lotte und Søren Hammer große Spannung durch die ungewöhnliche Kampagne der Täter, in der sie die Öffentlichkeit über ihre Motive aufklären und die Bevölkerung gekonnt manipulieren. Für Kommissar Simonsen und sein Team erschwert dies die Arbeit allerdings gewaltig, da sie nicht einmal mehr innerhalb ihrer eigenen Reihen mit Unterstützung für ihre Ermittlungen rechnen können.

Glaubhaft stellen die beiden Autoren die umkippende Stimmung in der dänischen Bevölkerung dar. War die Öffentlichkeit anfangs aufgrund der Brutalität der Tat geschockt und forderte schnelle Aufklärung, so werden die Mörder im Laufe der Geschichte regelrecht gefeiert. Je länger die Kampagne rund um dieses Verbrechen anhält, je mehr Details die Menschen über die Taten der pädophilen Ermordeten erfahren, desto unkontrollierbarer werden die Massen auf der Straße. Bei all den Informationen, die über die Medien an die Öffentlichkeit gebracht werden, fällt es auch den Polizisten schwer, weiterhin professionell ihrer Arbeit nachzugehen.

Während die Kollegen in anderen Dienststellen wichtige Fakten verschweigen oder Hilfsanfragen verschleppen, kämpfen auch die Ermittler rund um Konrad Simonsen mit ihrem Rechtsempfinden und ihrem Gewissen. Als Polizisten sind sie dazu verpflichtet, das Gesetz aufrechtzuerhalten - und das bedeutet auch, dass sie Mörder fangen müssen, deren Tat in gewisser Weise nachvollziehbar gewesen sein mag. Andererseits sind auch sie nur Menschen, die Mitleid, Wut, Frustration und Angst empfinden können. Besonders Kommissar Simonsen wird dabei gefordert, denn er muss sich nicht nur mit den gleichen beunruhigenden Bedingungen herumschlagen wie seine Kollegen, sondern liefert sich im Laufe der Geschichte auch noch einen regelrechtem Zweikampf mit einem der Verbrecher.

So sind es weniger die Suche nach den Tätern oder die zum Teil angenehm realistischen Figuren, die den Leser dazu bringen, dass er den Roman in einem Zug durchlesen will, sondern die erschreckende Reaktion der Bevölkerung und die Frage, wie weit die breite Masse gehen wird, wenn sie gezielt manipuliert wird. Dieser Aspekt macht "Schweinehunde" - trotz der einen oder anderen Länge in der Handlung - zu einem ungewöhnlichen und wirklich fesselnden Roman.

Fazit:

Mit "Schweinehunde" haben Lotte und Søren Hammer einen fesselnden Roman geschaffen, bei dem einmal nicht die klassische Arbeit der Polizei und die Suche nach einer Gruppe von Mördern im Mittelpunkt steht. Stattdessen beschäftigen sich die beiden Autoren mit den Auswirkungen eines Verbrechens auf die Gesellschaft, bei dem die Tat aus nachvollziehbaren Gründen geschah und die Täter in der Lage sind, die Öffentlichkeit gezielt mit Informationen zu manipulieren. So entsteht eine spannende und überraschende Geschichte, obwohl der Leser von Beginn an in einen Großteil der Hintergründe eingeweiht ist.
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