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Wo die verlorenen Seelen wohnen  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 8. August 2012

Wo die verlorenen Seelen wohnen

Originaltitel: New Town Soul
Übersetzt von: Bernadette Ott

Untergenre: Grusel
Verlag: Boje
Erschienen: April 2012
ISBN: 978-3-414-82335-9
Preis: 12,99 EUR

285 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Joey ist neu an seiner Schule - doch in dem beliebten Shane findet er schnell einen Freund. Dagegen hält sich die hübsche Geraldine fern von ihm, solange Shane in seiner Nähe ist. Sie warnt ihn sogar, dass Shane sich mit dem Bösen eingelassen habe. Und tatsächlich: Wenn die beiden Freunde zusammen sind, geschehen immer merkwürdige Dinge. Was stimmt nicht mit Shane? Und was hat es mit dem alten Mann auf sich, der Joey auflauert und in dem heruntergekommenen Haus am Ende der Straße auf ihn zu warten scheint?

Meinung:

Dermot Bolger überzeugt bei "Wo die verlorenen Seelen wohnen" von Beginn an mit seiner atmosphärischen Erzählweise. So gelingt es dem Autor, durchgehend Spannung zu erzeugen, ohne auf zu drastische Mittel zurückgreifen zu müssen. Selbst eine eigentlich banale Szene wie der erste Schultag von Joey erweckt so die Neugier des Lesers und sorgt dafür, dass er sich unablässig Gedanken um die einzelnen Figuren, ihre Beweggründe und die Frage, was real und was eingebildet ist, macht.

Im Zentrum der Geschichte steht der sechzehnjährige Joey, den der Leser bei seinem ersten Schultag am Stradbrook College kennenlernt. Schnell erfährt man über den Jungen, dass er in seiner alten Schule gemobbt wurde und große Angst vor diesem Neuanfang hat. Doch zu seiner großen Überraschung wird er reibungslos in die Klassengemeinschaft aufgenommen und findet in dem lässigen und selbstbewussten Shane vom ersten Tag an einen guten Freund.

Einzig die hübsche Geraldine, die schon in der erste Schulstunde Joeys Interesse weckt, verhält sich abweisend und warnt den Jungen, dass sein neuer Freund Shane nichts Gutes im Schilde führt. Für Joey ist diese Warnung anfangs absolut nicht nachvollziehbar, doch im Laufe der Zeit stolpert auch er immer wieder über Widersprüche in Shanes Geschichten und unheimliche Züge im Verhalten seines Freundes. Und wider besseres Wissen lässt sich Joey immer wieder von Shane in Situationen bringen, die gefährlich und illegal sind.

Neben Joeys Perspektive, die vor allem im Jahr 2009 spielt, beschreibt Dermot Bolger dem Leser auch Ereignisse rund um Shane, die im Jahr 2007 stattfinden, sowie die Erlebnisse, die der junge Thomas im Jahr 1932 hat. Aus diesen drei Erzählsträngen ergibt sich im Laufe des Romans eine düstere und unheimliche Geschichte. Je mehr Details man über die Geschehnisse in der Vergangenheit bekommt, desto mehr beginnt man, um Joey zu bangen. Dabei lässt Dermot Bolger lange Zeit offen, ob die Bedrohung für das Leben und Seelenheil des Jungen aus einem uralten Bösen entsteht oder nichts anderes ist als die Folge der Taten einer verzweifelten oder gar geistig gestörten Person.

Diese puzzleartige Erzählweise, die nach und nach enthüllten Details und die atmosphärische Schreibweise führen dazu, dass man jeder neuen Szene entgegenfiebert. Der Leser fürchtet nicht nur um Joey, sondern verspürt auch Mitleid mit den anderen Figuren in dieser Geschichte, denn keiner von ihnen ist wirklich böse - selbst dann nicht, wenn derjenige anscheinend einen Pakt mit dem Bösen eingegangen ist. Bei jedem einzelnen Charakter hat der Autor dafür gesorgt, dass man die jeweiligen Beweggründe nachvollziehen kann und eher Sorge und Mitleid verspürt als Verachtung dafür, dass die betreffende Person von ihrem Weg abgekommen ist.

So ist die gesamte Handlung von einer spürbaren Gruselstimmung durchzogen, die selbst eigentlich friedliche Szenen durchzieht. Einige Momente in der Vergangenheit sind für den Leser von dem Wissen durchzogen, dass noch etwas Entscheidendes passieren wird, was dazu führt, dass man selbst harmlose Dialoge aufmerksam verfolgt, während einen die düsteren Vorahnungen nicht verlassen. Dermot Bolger hat mit "Wo die verlorenen Seelen wohnen" eine wunderbar gruselige Geschichte für Leser ab 14 Jahren geschaffen, die auch für ein älteres Publikum einige spannende Lesestunden bringt.

Fazit:

"Wo die verlorenen Seelen wohnen" von Dermot Bolger bietet dem Leser alles, was eine gute Gruselgeschichte benötigt. Durch die Perspektivwechsel zwischen Joey, Shane und Thomas bekommt man immer nur bruchstückweise Informationen über die Hintergründe der Geschichte und fiebert so jeder neuen Szene entgegen. Dazu kommen eine wunderbar atmosphärische Erzählweise, sympathische Figuren und die steten Befürchtungen um das Schicksal der einzelnen Charaktere. Dabei bricht Dermot Bolger immer wieder mit dem Klischee von "gut" und "böse" und zeigt, wie vielschichtig die Beweggründe eines Menschen sein können. Diese Gruselgeschichte ist spannend und mitreißend und macht große Lust auf weitere solche Romane aus der Feder des Autors.
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