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Evies Garten  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 3. August 2012

Evies Garten

Originaltitel: The Garden of Eve
Übersetzt von: Johanna Ellsworth

Verlag: Baumhaus
Erschienen: Mai 2012
ISBN: 978-3-8339-0135-5
Preis: 12,99 EUR

208 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.8

Wertung:
8.8
von 10
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Zum Inhalt:

Seit die zehnjährige Evie ihre Mutter verloren hat, kommt ihr die ganze Welt kalt, grau und leblos vor. Der Umzug in eine neblige Kleinstadt mitten im Nirgendwo macht das alles nicht besser. In diesem seltsamen Ort liegt die neue Apfelplantage von Evies Vater, auf der nur alte, knorrige Bäume stehen, die nicht mehr blühen.
Doch dann findet Evie einen Freund - Alex, der behauptet, ein Geist zu sein. Ist das wirklich möglich? Und gibt es einen Grund, warum die Stadt so kalt und grau ist? Evie und Alex entdecken das Geheimnis des Nebels und der leblosen Bäume ...

Meinung:

Wer K. L. Goings ersten ins Deutsche übersetzten Roman "Voll daneben" kennt, kann erahnen, dass die Autorin ein Händchen dafür hat, schwerwiegende Themen auf eine ungewöhnliche und mitreißende Art zu präsentieren. Ihr Titel "Evies Garten" ist eine bemerkenswerte und zauberhafte Auseinandersetzung mit dem Thema Tod, die den Leser zutiefst berührt. Dabei ist die Geschichte nicht nur für ein jüngeres Publikum "ab zehn Jahren" (wie vom Verlag empfohlen) geeignet, sondern auch für ältere Leser, die eine Schwäche für märchenhafte Geschichten haben.

Schon im Prolog, der aus einem Gespräch zwischen der damals siebenjährigen Evie und ihrer Mutter besteht, wird deutlich, wie wichtig Geschichten und Fantasiereisen für das Mädchen und seine Mutter waren. Drei Jahre später allerdings fühlt sich Evie, als ob jegliche Magie aus ihrem Leben verschwunden sei. Nachdem ihre Mutter an Krebs gestorben ist, gibt es niemanden mehr, der ihr Märchen erzählt und den Alltag mit einem ungewöhnlichen Zauber überzieht. Und obwohl sich Evie sicher ist, dass ihr Vater sie sehr lieb hat, ist er doch nicht in der Lage, seiner Tochter die Wärme und Geborgenheit zu geben, die sie dringend benötigt.

Stattdessen entreißt er sie ihrem vertrauten Umfeld in Michigan, um im Staat New York neu anzufangen. Dort wurde ihm in dem kleinen Ort Beaumont günstig eine - allerdings unfruchtbare - Apfelbaumplantage angeboten, die der Gärtner zu neuem Leben erwecken will. Einem Aberglauben der örtlichen Bevölkerung zufolge wurde die Plantage verflucht, doch Evies Vater ist sich sicher, dass er mit harter Arbeit und seinem professionellen Wissen die Bäume wieder zum Blühen bringen kann. Über all seinen Bemühungen scheint er Evie ganz vergessen zu haben. So fühlt sich das Mädchen nicht nur entwurzelt, sondern auch schrecklich einsam in dem neuen Haus neben dem Friedhof von Beaumont.

Einzig der merkwürdige Junge Alex, den Evie regelmäßig auf dem Friedhof sieht und der anscheinend ein Geist ist, leistet ihr immer wieder Gesellschaft. Er ist es auch, der gemeinsam mit ihr versucht, das Geheimnis der unfruchtbaren Apfelbäume zu lüften und die Wahrheit hinter der Legende von drei verzauberten Saatkörnern und dem damit verbundenen Paradies zu entdecken. Doch dann findet Evie heraus, dass ihre Suche nach dem Paradies und ihre Sehnsucht nach der verstorbenen Mutter ganz eigene Gefahren mit sich bringen.

K. L. Going spielt in diesem Kinderbuch ganz wunderbar mit den Gegensätzen zwischen Evies warmen, sonnigen und fantasievollen Erinnerungen an die Mutter und der grauen und kalten Gegenwart, in der das Mädchen ganz allein mit dem Verlust und der Trauer umgehen muss. Dabei macht die Autorin dem Leser schon früh klar, dass Evies Vater nicht kaltherzig, sondern vor allem hilflos ist und selbst nicht weiß, wie er in Zukunft ohne seine Frau zurechtkommen soll. Sehr atmosphärisch beschreibt die Autorin die Hoffnungslosigkeit und Trauer, die die toten Apfelbäume und der Ort Beaumont ausstrahlen, und bietet so dem Leser ein greifbares Bild für Evies Gefühle.

Doch bei aller Einsamkeit, Mutlosigkeit und Trauer blitzen auch immer wieder kleine Hoffnungsstrahlen inmitten der Plantage auf. Und während ihr Vater auf die Kraft der Natur und den kommenden Frühling hofft, schwelgt Evie in den Erinnerungen an ihre Mutter. Doch auch ihr wird nach und nach bewusst, dass der Tod eines geliebten Menschen nicht das Ende des eigenen Lebens bedeuten darf. So verflicht K. L. Going eine berührende Handlung und diverse philosophische Ansätze mit ihrer klaren Erzählweise zu einer bezaubernden Geschichte. Der Leser leidet mit der zehnjährigen Evie mit, will mehr über den seltsamen Alex herausfinden und hegt gemeinsam mit den beiden Kindern die Hoffnung auf einen magischen Garten. So gelingt es der Autorin, den Leser mit dieser kleinen und doch so vielschichtigen Geschichte in ihren Bann zu ziehen und ihn mit Evie und den anderen Figuren mitleiden, hoffen, weinen und lachen zu lassen.

Fazit:

"Evies Garten" von K. L. Going ist eine sehr berührende Geschichte voller Magie rund um die zehnjährige Evie, die versucht, den Tod ihrer Mutter zu verkraften. Mit ihrer ganz eigenen Interpretation vom Paradies, ihrer behutsamen und anrührenden Erzählweise und den liebenswerten Charakteren bezaubert die Autorin den Leser und lässt ihn gemeinsam mit Evie versuchen, einen Weg zu finden, um mit dem Tod eines besonderen Menschen fertigzuwerden. Dabei bietet das Rätsel um Evies geisterhaften Freund Alex viele Aspekte zum Miträtseln, während die Geschichte rund um die drei magischen Samenkörner und den paradiesischen Garten den Roman mit einem wundervollen Zauber verwebt.
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