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Die Krieger der Königin 2: Falkenherz  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 29. April 2012

Die Krieger der Königin 2: Falkenherz

Originaltitel: The Shattered Sylph
Übersetzt von: Vanessa Lamatsch

2. Band der Reihe

Verlag: Knaur
Erschienen: Dezember 2011
ISBN: 978-3-426-50947-0
Preis: 9,99 EUR

384 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Seit die junge Lizzy denken kann, liebt sie Ril, den Gestaltwandler. Doch der durch eine alte Wunde geschwächte Krieger fühlt sich ihrer nicht würdig und hält sich von ihr fern - bis Lizzy von einer Bande Sklavenhändler entführt wird. Sofort macht Ril sich mit Lizzys Vater Leon auf die Suche, denn er ist der Einzige, der sie aufspüren kann. Mit jedem Schritt, den sie sich ihrem Ziel nähern, wächst aber auch die Gefahr, denn um Lizzy zu befreien, müssen sie es mit einer nahezu unbesiegbaren Macht aufnehmen.

Meinung:

Sechs Jahre sind seit den Ereignissen in "Die Krieger der Königin" vergangen und das Sylphental ist unter der Herrschaft von Solie erblüht. Durch die Zusammenarbeit mit den Sylphen hat sich in diesem kleinen Land eine ganz eigene Gesellschaft entwickelt, deren Überleben durch die Übermacht an Kriegern und die Edelsteine, die die Erdsylphen fördern, gesichert ist. Doch selbst die Nähe zu den Sylphen kann nicht immer für Sicherheit garantieren - und so wird die siebzehnjährige Lizzy während einer Handelsreise entführt.

Gemeinsam machen sich Lizzys Vater Leon, sein Kriegersylph Ril und Justin, der in Lizzy verliebt ist, auf, um die junge Frau zu retten. Ihre Reise führt sie in das Wüstenkönigreich Meridal, wo Lizzy als Sklavin gehalten wird. Während die Männer allein schon deshalb in diesem ungastlichen Reich in Gefahr schweben, weil sie Ausländer sind und niemand erfahren darf, dass Ril ein Sylph ist, muss Lizzy nicht nur um ihr Leben, sondern auch um ihre Unschuld bangen. Denn in Meridal hat man schon vor Jahrhunderten herausgefunden, dass die Kriegersylphen leichter zu kontrollieren sind, wenn sie regelmäßig den - extra für sie angelegten - Harem besuchen dürfen.

Auch wenn man dies unter dieser Grundvoraussetzung kaum erwarten konnte, enthält "Falkenherz" deutlich weniger Sexszenen als der erste Band der "Die Krieger der Königin"-Reihe, in dem die Kriegersylphen und die Welt, aus der sie stammen, vorgestellt wurden. Dafür konzentriert sich L. J. McDonald weit mehr auf die Charakterentwicklung und die Darstellung des Sylphensystems in Meridal. Wie in den anderen Königreichen (abgesehen von Sylphtal) auch, ist man hier der Meinung, dass die ungewöhnlichen Geschöpfe nicht intelligenter als Tiere sind. So besteht in Meridal ein komplexes Gefüge, welches den massenhaften Einsatz von Sylphen - auch von Kriegern - erlaubt, die alle mit ritualisierten Grundbefehlen in Schach gehalten werden.

Als nun Lizzy - und später auch Leon und Ril - in diese festgefahrene Gesellschaft einbrechen, verändern sich die Sylphen der Wüstenstadt unmerklich. Lizzy, die schon als kleines Mädchen unwissentlich eine Verbindung mit Ril eingegangen war, erinnert die Krieger daran, dass auch sie einmal in der Hoffnung auf eine eigene Königin diese Welt betreten hatten. Und gerade diejenigen, die unter den Haremsdamen eine Frau gefunden haben, die sie lieben, werden immer unzufriedener und suchen einen Weg aus der verhassten Bindung an ihren Meister.

So erzählt L. J. McDonald nicht nur in berührender Weise, wie der - vor sechs Jahren verkrüppelte - Ril über sich hinauswachsen muss, um die von ihm geliebte Lizzy zu retten, sondern beschreibt auch das unmenschliche System, das in Meridal schon vor langer Zeit eingeführt wurde. Das Königreich erinnert auf den ersten Blick an ein Märchen aus "1001 Nacht": In einer schwebenden Stadt lebt der Adel fern von der restlichen Bevölkerung. Sylphen versorgen die Stadt mit Nahrung und Wasser, kühlen die Luft in den herrschaftlichen Räumen oder dienen in der Arena als Unterhaltung für jeden, der sich den Eintritt leisten kann.

Auf der anderen Seite zeigt die Autorin sehr schön die Schattenseiten einer solchen Gesellschaft: So sind sich Adel und Bevölkerung so fern, dass das Leben eines normalen Bürgers kaum etwas gilt. Um die Sylphen bei Kräften zu halten, werden massenweise Menschen versklavt, die den übernatürlichen Wesen Energie spenden sollen. Und da die Sylphen einen Großteil der Arbeit verrichten, gibt es kaum Stellen für diejenigen, die für ihren Lebensunterhalt schuften müssen, sodass diejenigen, die nicht zum Adel gehören oder versklavt wurden, in Armenvierteln vor der Stadt dahinvegetieren.

Insgesamt bietet "Falkenherz" eine gesellschaftskritische und unterhaltsame Mischung aus einer interessanten Fantasywelt und sympathischen Charakteren, die sich im Laufe der Handlung deutlich entwickeln müssen, um die an sie gestellten Herausforderungen zu bewältigen. Bei all den spannenden, bewegenden und amüsanten Szenen kann man auch gut verschmerzen, dass die Handlung nicht an allen Stellen schlüssig verläuft, während der eine oder andere Nebencharakter die Vermutung aufkommen lässt, dass er erst im folgenden Band, "Schattenmacht", eine nennenswerte Funktion übernehmen wird.

Fazit:

Mit "Falkenherz" hat L. J. McDonald die faszinierenden Grundideen, die schon in "Die Krieger der Königin" zum Tragen kamen, weiter ausgebaut und den ungewöhnlichen Sylphen einen komplexeren Hintergrund verliehen. Zusammen mit den sympathischen Charakteren, die in dieser Geschichte diverse Hindernisse zu bewältigen haben, den fesselnden Beschreibungen eines Wüstenkönigreichs, in dem unmenschliche Bedingungen herrschen, und den immer wieder vorkommenden humorvollen Szenen entsteht so ein wirklich unterhaltsamer Roman. Bei einer solch merklichen Steigerung zwischen dem Debüt der Autorin und ihrem zweiten Buch kann man sich nur wünschen, dass L. J. McDonald in "Schattenmacht", dem im August 2012 erscheinenden dritten Band der "Die Krieger der Königin"-Serie, ihr Niveau halten kann.
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