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Stadt aus Trug und Schatten  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 14. März 2012

Stadt aus Trug und Schatten

Reihe: Schattenwelt
1. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Loewe
Erschienen: Januar 2012
ISBN: 978-3-7855-7402-7
Preis: 17,95 EUR

416 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
6.5
von 10
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Zum Inhalt:

Flora fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihre Seele seit jeher ein nächtliches Doppelleben in der geheimnisvollen Stadt Eisenheim führt. Von nun an wird sie nie wieder schlafen, ohne dass ihr Bewusstsein in die farblose Welt der Schatten wandert. Als wäre das nicht unerfreulich genug, hat ihre Seele offenbar den Weißen Löwen gestohlen, einen mächtigen alchemistischen Stein, nach dem sich nicht nur die Herrscher der Schattenwelt verzehren. Bald ist Flora selbst in der realen Welt vor den Gefahren Eisenheims nicht mehr sicher und eines ist klar: Sie kann niemandem trauen, nicht einmal Marian, der plötzlich in beiden Welten auftaucht und dessen Küsse vertrauter schmecken, als ihr lieb ist.

Meinung:

Mit ihrem Debütroman "Stadt aus Trug und Schatten" präsentiert Mechthild Gläser dem Leser eine erfrischend unverbrauchte Grundidee für eine fantastische Welt. Protagonistin dieser Geschichte ist die siebzehnjährige Flora, die gemeinsam mit ihrem exzentrischen Vater und einer Haushälterin in Essen lebt. Flora glaubt, dass sie ein ganz normaler Teenager ist, bis sie eines Tages einen erschreckend lebhaften Traum hat, in dem sie sich in einer seltsamen grauen Stadt wiederfindet. Die Stadt, die Flora in ihren Träumen besucht, heißt Eisenheim und ist der Ort, an dem sich alle Seelen während des menschlichen Schlafes aufhalten.

Doch ein Großteil der Seelen verbringt die Nacht als "Schläfer", was bedeutet, dass sie für den Wohlstand von Eisenheim arbeiten - zumeist unter erschreckenden Bedingungen, - ohne sich am nächsten Tag an ihre Traumerlebnisse erinnern zu können. Nur einige wenige Menschen sind sich bewusst, dass sie nachts ein zweites Leben in dieser bizzaren Stadt haben. Diese nennt man "Wanderer", und sie sind es auch, die das Leben und Arbeiten in Eisenheim steuern. Dabei gibt es auf der gesamten Welt nur einige Tausend "Wanderer" - von denen sich die meisten nicht zu schade sind, die Milliarden vorhandenen "Schläfer" für ihre Zwecke auszubeuten.

Flora allerdings unterscheidet sich von den normalen "Schläfern" und "Wanderern". Sie hat schon früher in Eisenheim für eine Gruppe von "Wanderern" gearbeitet, die sich gegen das herrschende System stellen wollen, und hat bewusst den Wandel zur "Wandernden" eingeleitet. Unangenehmerweise hat sie damit auch vorerst alle Erinnerungen an ihre früheren Tätigkeiten - unter anderem den Diebstahl eines einzigartigen Steines mit dem Namen "Weißer Löwe" - in Eisenheim vergessen. So hat sie nicht nur große Probleme damit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden und sich in der komplizierten Welt der "Wanderer" zurechtzufinden, sie erinnert sich auch nicht mehr an ihre Beziehung zu Marian, der ihr - sowohl in der Traum als auch in der realen Welt - als Beschützer zur Seite steht.

Mit der Gestaltung der Stadt Eisenheim und vielen Details, die das "Traumleben" der Seelen ausschmücken, beweist Mechthild Gläser Kreativität und Mut zu unverbrauchten Ideen. Auch wenn nicht immer alle Informationen stimmig ineinandergreifen und einige wichtige Elemente des Weltenbaus bis zum Ende des Romans nicht geklärt werden, macht es doch Spaß, Eisenheim zu entdecken und mehr über die Stadt und ihre Bewohner zu erfahren. Allein schon die Frage, was aus den Seelen schlafender Tiere wird, bietet einigen Stoff für die Fantasie des Lesers. Diese Momente gehören zu den Höhepunkten von "Stadt aus Trug und Schatten" und bereiten einem wirklich Freude.

Der Erzählstil der Autorin schwankt zwischen einer flüssig zu lesenden Sprache und einer stellenweise vorhandenen Überfrachtung mit sprachlichen Klischees wie zum Beispiel den geisterfinger-gleichen Nebelfetzen, die im Prolog den Fluss hinaufkriechen, oder Blut, das in Rinnsalen über Hände läuft. Doch vor allem sind es die Charaktere, die es dem Leser schwer machen, mit der Geschichte mitzufiebern. Obwohl Flora viel zu verarbeiten hat und so einige Höhen und Tiefen erlebt, berühren ihre Abenteuer den Leser kaum. Das liegt zum einen daran, dass sie sich lange ziellos treiben lässt, zum anderen daran, dass ihr ihre Gefühle (oder eher die Gefühle ihrer früheren Seele) zu Marian immer wieder in die Quere kommen.

Überhaupt nimmt diese Liebesgeschichte - ebenso wie die Szenen mit Floras Ex-Freund Linus - zu viel Raum ein, wenn man bedenkt, dass Flora dem jungen Mann eigentlich zutiefst misstraut und er mit Floras aktueller Persönlichkeit zu Beginn nicht viel anfangen kann. Dazu kommt, dass Marian für den Leser keine greifbare Persönlichkeit entwickelt, und auch die restlichen Nebenfiguren in diesem Roman werden in der Regel nur kurz angerissen, aber nie so weit ausgearbeitet, dass man ihnen ihre Handlungen und Motivationen abnehmen könnte. Diese Punkte sorgen leider dafür, dass man am Ende des Romans recht unbefriedigt zurückbleibt und wenig Neugier auf die Fortsetzung entwickelt, obwohl die Stadt Eisenheim ein wirklich reizvolles Umfeld für eine fantastische Geschichte ist.

Fazit:

Mechthild Gläsers Debütroman "Stadt aus Trug und Schatten" kann den Leser leider nur in einigen Bereichen unterhalten. So ist die Grundidee rund um die siebzehnjährige Flora, die entdecken muss, dass jeder Mensch in seinen Träumen ein zweites Leben in Eisenheim führt, wirklich reizvoll. Auch die fantastischen Details rund um diese Traumwelt und das dortige Leben befeuern die Fantasie des Lesers. Bedauerlicherweise ist es der Autorin nicht gelungen, ihre Figuren und deren Motivation ebenso interessant und spannend zu beschreiben, so dass es dem Leser schwerfällt, mit Flora mitzufiebern. Das führt dazu, dass man zwar dankbar jeden Informationsbrocken über Eisenheim aufsaugt und sich seine eigenen Gedanken über das Leben in so einer Welt macht, aber kaum Interesse am weiteren Verlauf der Handlung entwickelt.
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