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Drachenkuss  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 12. Februar 2012

Drachenkuss

Originaltitel: Dragon's Keep
Übersetzt von: Martina M. Oepping

Untergenre: Fantasy
Verlag: Baumhaus
Erschienen: November 2011
ISBN: 978-3-8432-0045-5
Preis: 7,99 EUR

368 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Prinzessin Rosalind hütet ein schreckliches Geheimnis: Sie wurde mit einer Drachenklaue geboren. Bislang konnte niemand das Mädchen von dem schaurigen Makel befreien, den es unter goldenen Handschuhen verbirgt. Doch als es immer wieder zu Angriffen von Drachen kommt, scheint Rosalind auserwählt, zur Mittlerin zwischen Menschen- und Drachenwelt zu werden.

Meinung:

Mit "Drachenkuss" hat Janet Lee Carey eine fantastische Geschichte für Jugendliche ab zwölf Jahren geschaffen, die sowohl inhaltlich als auch in ihrer einfachen Sprache an ein klassisches Märchen erinnert. Dabei zieht sich allerdings der Anfang der Handlung, der dazu dient, dem Leser Rosalind und ihre Umgebung vorzustellen, etwas hin, da es einem schwerfällt, eine Beziehung zu dem Mädchen aufzubauen. Erst im Laufe der Geschichte beginnt man, Sympathien für die verschiedenen Figuren und ihr Schicksal zu entwickeln.

Rosalind ist die Prinzessin von Wilde Island, wohin ihre Vorfahrin Evaine von ihrem Vater Uther Pendragon verbannt wurde, und ihre Geschichte beginnt im Jahre 1145. 600 Jahre zuvor hatte der große Merlin prophezeit, dass die einundzwanzigste Prinzessin von Wilde Island diejenige sein würde, die den Namen Pendragon reinwaschen, den Krieg beenden und den Ruhm ihres Landes wiederherstellen wird. Rosalind ist diese einundzwanzigste Prinzessin und ihre Mutter hegt große Pläne für sie. Umso erschütternder ist es, dass das Mädchen mit einer Drachenklaue anstelle des Ringfingers ihrer linken Hand geboren wurde. Zu einer Zeit, in der so ein Geburtsfehler für einen Fluch oder ein Hexenmal gehalten werden konnte, könnte dieser Makel im besten Fall die Verbannung in ein Kloster, im schlimmsten Fall den Tod für die Prinzessin bedeuten.

So versucht die Königin alles, um die Drachenklaue an der Hand ihrer Tochter loszuwerden. Doch all die Heiler, die - ohne Wissen des eigentlichen Problems - ein Wunder vollbringen sollen, scheitern oder verschlimmern gar Rosalinds Zustand. Und so bleibt ihr nichts weiter übrig, als ihre Hände unter goldenen Handschuhen zu verstecken, die die Klaue vor aller Welt verbergen sollen. Währenddessen wird Wilde Island immer wieder von einem Drachen überfallen und egal wie viele Ritter Rosalinds Vater ausschickt, keinem gelingt es, das Untier zu töten.

Auch Rosalind verabscheut den Drachen und seine Taten, schließlich fielen ihm schon viele Menschen zum Opfer, die ihr ans Herz gewachsen waren. Aber sie ist auch in der Lage, die Schönheit dieser Kreaturen zu erkennen und hinterfragt immer wieder das Tun ihrer Eltern, die ihre Interessen über die aller anderen Lebewesen stellen. Als die Prinzessin dann auch noch von einem Drachen geraubt wird, lernt sie die fantastische Kreatur aus einem neuen Blickwinkel kennen und muss sich einigen unschönen Wahrheiten über ihre Familie (und über die Menschen im Allgemeinen) stellen.

Der Baumhaus Verlag empfiehlt dieses Buch ab 12 Jahren und so einfach die Sprache auch gehalten ist: jünger sollten die Leser wirklich nicht sein. Denn abgesehen davon, dass Rosalind in einer recht gnadenlosen Zeit lebt und im Laufe der Jahre viele Tote zu beklagen hat, sind auch einige Schilderungen der Heilungsversuche ihrer Drachenkralle etwas unappetitlich zu lesen. Während man es im Märchen relativ einfach hinnehmen kann, dass die Mutter ihrer Tochter die Ferse abschneidet, damit diese in Aschenputtels Schuh passt, werden vergleichbare Szenen von Janet Lee Carey so ausgemalt, dass man Rosalinds Schmerz bei der Prozedur nachfühlen kann.

Diese Erzählweise ermöglicht es der Autorin, ohne übertriebene Beschreibungen ein recht realistisches Bild von Rosalinds Zeit darzustellen. So schön das Leben der Prinzessin auf den ersten Blick sein mag, so ist auch sie nicht davon gefeit, dem - zum Teil aus Not geborenen - Aberglauben ihres Volkes und den Intrigen innerhalb des Schlosses zum Opfer zu fallen. Doch erst als Rosalind unter den Einfluss des Drachen gerät, kann einen die Geschichte richtig fesseln. Für die Prinzessin bringt diese Zeit einige schwere Entscheidungen mit sich. So liegt es in ihrer Verantwortung, ob ihr Volk auch in Zukunft unter dem Drachen zu leiden hat, oder zu entscheiden, welche von ihr eingegangene Verpflichtung schwerer wiegt.

Insgesamt führen all diese Elemente letztlich zu einer anrührenden Geschichte über das Erwachsenwerden und Rosalinds Umgang mit ihrem körperlichen Makel. Aber auch die Frage, welche Opfer vertretbar sein könnten, um einem größeren Ziel zu dienen, die Wichtigkeit wahrer Freundschaft und wie schwer es den meisten Menschen fällt, sich gegen Manipulationen zu wehren, werden in diesem Roman thematisiert. So regt dieser Roman nicht nur die Fantasie des Lesers, sondern auch zum Nachdenken über einige allgemeingültige und wichtige Themen an.

Fazit:

Mit "Drachenkuss" hat Janet Lee Carey eine ungewöhnliche und sehr märchenhafte Geschichte rund um Prinzessin Rosalind geschaffen. Während sich der Anfang der Handlung etwas hinzieht - auch aufgrund der Tatsache, dass der Leser eine gewisse Distanz zu den Figuren verspürt - kann die zweite Hälfte des Romans wirklich fesseln. Dabei sprechen einen nicht nur die Beschreibungen des Drachen an, sondern auch die moralischen Fragen, mit denen sich Rosalind im Laufe der Zeit auseinandersetzen muss. So sorgt Janet Lee Carey unmerklich dafür, dass sich der Leser mit Themen wie Freundschaft, Aberglaube, Machtstreben und ehrenhaftem Handeln auseinandersetzt, während er bis zum spannenden Ende um Rosalinds Wohlergehen bangen muss.
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