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Saeculum  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 13. Januar 2012

Saeculum

Verlag: Loewe
Erschienen: November 2011
ISBN: 978-3-7855-7028-9
Preis: 14,95 EUR

496 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter - ohne Strom, ohne Handy -, normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei diesem Live-Rollenspiel, liegt einzig und allein an Sandra. Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein. Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Reise in die Vergangenheit wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit. Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Meinung:

Nach ihrem erfolgreichen Jugendroman "Erebos", wechselt Ursula Poznanski mit "Saeculum" thematisch von den Computer-Rollenspielen zu den Live-Rollenspielen. Hauptfigur in diesem Buch ist der junge Medizinstudent Bastian, der über seine neue Bekannte Sandra in die Welt der Mittelalter-Rollenspieler eingeführt wird. Eigentlich kann Bastian mit solchen Freizeitbeschäftigungen nichts anfangen, aber ihn beeindruckt die Ernsthaftigkeit, mit der Sandras Freunde diesem Hobby nachgehen. Vor allem hofft er, dass er bei einem dieser Rollenspiel-Wochenenden endlich Sandra, mit der er sich schon seit ein paar Wochen trifft, besser kennenlernen kann. Doch schnell muss Bastian feststellen, dass die Mitglieder von "Saeculum" (Sandras Rollenspiel-Gruppe) ein ganz besonderes Projekt im Auge haben - und dass er nicht der Einzige ist, der sich darüber wundert, dass der Spielleiter Paul ihn auf diesen ungewöhnlichen Trip mitgenommen hat.

Noch bevor die kleinen Gruppe am Zielort Wieselburg ankommt, wird Bastian klar, dass nicht alle über die Wahl des Spielortes glücklich sind. Vor allem die extrem abergläubische Doro ist sich sicher, dass etwas Grauenhaftes passieren wird, und verweist immer wieder auf die Sage von der Blutgruft und den Fluch, der über dem Wald und der darin befindlichen Burgruine liegen soll. Währenddessen versucht Bastian, sich an die Rollenspielregeln zu gewöhnen und die verschiedenen Personen kennenzulernen, mit denen er die nächsten Tage abgeschieden von der Zivilistation verbringen soll. Dabei fällt ihm vor allem die abweisende Iris ins Auge, die - trotz der immer mysteriöseren Vorkommnisse - ruhig und vernünftig bleibt, während die anderen Mitspieler immer unruhiger werden und immer fantastischere Erklärungen für die Ereignisse suchen.

Als dann auch noch nach und nach Mitspieler verschwinden, es zu Verletzungen kommt und die Sicherungsmechanismen versagen, ist ein Teil der Gruppe endgültig davon überzeugt, dass der Fluch über sie gekommen ist. Dabei zeigt Ursula Poznanski sehr schön, wie schnell der Mensch seine zivilisierte Tünche abstreifen kann, wenn er sich in eine anscheinend lebensgefährliche Situation gebracht sieht. Nur wenigen Rollenspielern gelingt es, ruhig zu bleiben und überlegt zu handeln, während andere in kopfloser Hysterie umherrirren und so ihre Freunde in Gefahr bringen. Für Bastian, der für die anderen Rollenspieler ein Fremder ist, spitzt sich die Situation immer weiter zu - und Sandra ist ihm dabei keine Hilfe. Einzig der charismatische Paul scheint noch einen besänftigenden Einfluss auf die Rollenspieler zu haben, doch auch das scheint nicht auszureichen, um aus den verängstigen Spielern wieder eine funktionierende Gruppe zu machen.

Obwohl Ursula Poznanski sich viel Mühe gibt, um den "übernatürlichen" Anschein in ihrer Geschichte aufrecht zu erhalten, steht für den Leser eigentlich von Anfang an fest, dass hinter dem so genannten Fluch tatsächlich von Menschenhand durchgeführte Sabotageakte stecken. So beschäftigt einen vor allem die Fragen nach der Identität des Strippenziehers und seiner Motivation, was dazu führt, dass man sich besonders intensiv mit jeder einzelnen Figur beschäftigt. Leider fällt dabei schnell auf, dass die Autorin sich nur bei wenigen die Mühe gemacht hat, eine komplexere und stimmige Charakterisierung auszuarbeiten. So ist es nicht sonderlich schwierig, den passenden Verdächtigen ausfindig zu machen und recht treffende Spekulationen über seine Gründe anzustellen.

Das nimmt der Geschichte im Laufe der Zeit - trotz der sehr atmosphärischen Schreibweise von Ursula Poznanski - einiges an Spannung, obwohl der Roman sehr vielversprechend anfängt. Auch die Auflösung am Schluss kann nicht ganz befriedigen, ebensowenig wie die Konsequenzen, die der Täter am Ende zu tragen hat. So unterhält "Saeculum" vor allem durch die sympathische und realistisch dargestellte Figur des Bastian, die wenigen aufkeimenden Freundschaften zwischen ihm und den anderen Rollenspielern, die trotz der Ereignisse überdauern können, und die stimmungsvollen Beschreibungen der Rollenspieler-Szene und der Gegend, in der die Gruppe ihr Abenteuer erlebt.

Fazit:

Obwohl "Saeculum" ein unterhaltsamer Roman mit einem sympathischen Protagonisten ist, kann diese Geschichte den Leser leider nicht so sehr überzeugen wie Ursula Poznanskis erster Jugendroman "Erebos". Dabei gelingt es der Autorin, den Leser mit Bastian mitleiden zu lassen, der sich als Außenseiter in einer - zum Teil aufgrund der Ereignisse hysterischen - Live-Rollenspielgruppe zurechtfinden muss. Sowohl der Ausflug ins Mittelalter als auch die Landschaft werden dabei sehr atmosphärisch beschrieben, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Handung Längen aufweist und die Identität des Täters schon viel zu früh nahe liegt.
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