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Boys don't cry  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 17. Dezember 2011

Boys don't cry

Originaltitel: Boys Don't Cry
Verlag: Boje
Erschienen: August 2011
ISBN: 978-3-414-82298-7
Preis: 14,99 EUR

304 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Dante hat gerade die Schule hinter sich und schmiedet große Pläne für die Zukunft. Da steht seine Exfreundin mit einem Baby vor der Tür - und eröffnet ihm, dass er der Vater ist. Doch es kommt noch schlimmer. Melanie verschwindet und von einem Tag auf den anderen muss Dante (fast) allein klarkommen ...

Meinung:

Eigentlich weiß der siebzehnjährige Dante genau, wie seine Zukunft aussehen wird, schließlich hat er die letzten Jahre hart dafür gearbeitet: Er will aufs College gehen - dank seiner guten Noten ein Jahr früher als seine Mitschüler - und danach einen lukrativen Job finden. Auf jeden Fall soll sein Leben besser werden als das seines Vaters. Er will nicht in einem schäbigen Haus leben, sich jede Ausgabe gut überlegen müssen und kein Geld für Reisen haben.

Doch an dem Tag, an dem Dante auf die Mitteilung seiner Prüfungsnoten wartet, die darüber bestimmen werden, ob er aufs College gehen kann, steht seine Exfreundin vor der Tür. Schon seit vielen Monaten hat er nicht mehr von Melanie gehört und nun hat sie ein Kind bei sich, von dem sie behauptet, dass es von Dante sei. Die kleine Emma, so versichert das Mädchen, sei bei dem einzigen Mal, bei dem die beiden miteinander geschlafen haben, gezeugt worden. Kurz darauf verschwindet Melanie und Dante steht mit dem Kind alleine da.

Malorie Blackman beschreibt sehr glaubwürdig die verschiedenen Gefühle, die Dante nach diesem Tag durchlebt: vom Unglauben darüber, dass er bei einmaligem betrunkenem Partysex ein Mädchen geschwängert haben soll, über Ablehnung und Wut bis zu den ganzen Überlegungen, wie er sich aus der Affäre ziehen kann. Der Junge ist nicht herzlos, aber abgesehen davon, dass er gerade noch seine ganze Zukunft in rosigen Farben vor sich sah und dieses Bild nun zerstört wurde, ist er sich auch sicher, dass er Emma nicht ausreichend versorgen kann.

Schließlich ist es Dantes Vater, der dafür sorgt, dass sein Sohn die Verantwortung für das Kleinkind übernimmt. Er ist es, der sich Urlaub nimmt, um Dante zu zeigen, was so ein Kind alles benötigt, und er stellt klar, dass sein Sohn das College erst einmal vergessen kann und sich um Emma zu kümmern hat. Trotz dieser Bereitschaft, für sein Enkelkind da zu sein, ist auch er nicht glücklich darüber, dass sein Sohn einen so großen Fehler gemacht hat. Der einzige Mensch, der Emma ohne Vorbehalte willkommen heißt, ist Adam, Dantes jüngerer Bruder.

Für Dante beginnt mit Emmas Ankunft ein stetiger Lernprozess. Er muss nicht nur Emma inklusive Füttern, Windelnwechsel und anderer Herausforderungen in seinen Alltag integrieren, sondern sich nun überlegen, wie er in Zukunft für ihrer beider Lebensunterhalt sorgen kann. Aber auch über seinen eigenen Vater lernt Dante durch Emmas Anwesenheit sehr viel Neues. So wird das ständig gespannte Verhältnis zwischen den beiden zwar nicht auf Anhieb besser, aber Dante sieht das - oft etwas unterkühlte - Verhalten seines Vaters mit ganz neuen Augen.

Besonders berührend wird "Boys don't cry" nicht etwa durch die Beschreibungen von Emma, die wie erwartet zuckersüß und absolut liebenswert ist, sondern durch die realistischen Reaktionen von Dante. Der Junge versucht alles, um die Verantwortung für Emma in andere Hände zu geben, und als er sich dann doch ernsthaft dieser neuen Aufgabe stellt, gibt es genügend Momente, in denen er scheitert, verzweifelt oder frustriert und wütend reagiert. Trotz aller Überforderung fällt es Dante schwer einzuschätzen, wann er Hilfe benötigt - und er verfällt doch manchmal in eine beinahe kindliche Trotzreaktion und fordert regelrecht die Unterstützung von "Erwachsenen" ein. Dass er mit seiner neuen Aufgabe als Vater nun selbst zu den Erwachsenen gehören muss, wird ihm erst im Laufe der Zeit bewusst.

Ein weiterer schöner Aspekt an diesem Buch ist, dass Malorie Blackman einen jungen Vater zur Hauptfigur gemacht hat. Im Gegensatz zu den Titeln, die sich mit Teenager-Müttern beschäftigen, hat Dante keine Schwangerschaft erlebt, in der eine Bindung zum Baby entstehen konnte. Er wird von einem Tag auf den anderen mit einem fast einjährigen und für ihn fremden Kind konfrontiert und muss nun mit der Situation fertigwerden. Ergänzt wird Dantes Perspektive durch Passagen, die aus Adams Sicht geschrieben wurden und in denen man Dantes Verhalten und die gesamten Familienverhältnisse durch fremde Augen betrachten kann.

Bringt diese zweite Perspektive anfangs einen eher leichten und belustigten Ton in die Geschichte ein, ändert sich das, als Adam aufgrund seiner Homosexualität mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat. Auch wenn Malorie Blackman mit Adams Teil einige wichtige und interessante Themen anspricht, wäre diese Abschweifung von Dantes Erlebnissen gar nicht notwendig gewesen, um eine überzeugende und intensive Geschichte zu erzählen, da die Entwicklung des jungen Vaters für sich genommen bereits lesenswert und berührend genug ist. Dazu trägt auch Malorie Blackmans klare und jugendgerechte Sprache bei, die dafür sorgt, dass man diesen Roman in einem Zug durchlesen mag.

Fazit:

Mit "Boys don't cry" zeigt Malorie Blackman auf mitreißende Weise, wie der siebzehnjährige Dante lernen muss, mit der Tatsache umzugehen, dass er eine fast einjährige Tochter hat. Trotz der Unterstützung seiner Familie ist es für den Jungen nicht einfach, seine neue Verantwortung zu akzeptieren, was die Geschichte umso realistischer und intensiver wirken lässt. Neben dem Thema Teenager-Schwangerschaft wird durch Dantes Bruder Adam in diesem Roman auch deutlich gemacht, wie schwierig es für einen Jungen sein kann, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Dabei ist dieser Teil ebenfalls berührend zu lesen, wäre aber zur Abrundung der Geschichte gar nicht unbedingt nötig gewesen.
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