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Der Greifen­magier 1: Herr der Winde  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 12. Dezember 2011

Der Greifenmagier 1: Herr der Winde

Originaltitel: Lord of the Changing Winds
Übersetzt von: Thomas Schichtel

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Oktober 2011
ISBN: 978-3-404-20655-1
Preis: 8,99 EUR

432 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

Der Tag, an dem die Greifen kommen und den Wind der Wüste mit sich bringen, ändert alles. Bis zu diesem Tag ist Kes zufrieden gewesen, hat einem ruhigen Leben als Heilerin in ihrem kleinen Dorf entgegengesehen. Doch nun ist es der König der Greifen, der ihre Dienste braucht, und er flieht vor einer Gefahr, die noch tödlicher ist als die Glut des brennenden Windes.

Meinung:

Wenn man sich Werke wie beispielsweise die "Mage Wars"-Trilogie von Mercedes Lackey und Larry Dixon in Erinnerung ruft, scheint es so, als ob in der amerikanischen Fantasy Greifen eine merklich größere Rolle in den Geschichten spielen als in anderen Ländern. Und so gönnt auch Rachel Neumeier dem Leser mit "Herr der Winde", dem Auftaktband ihrer "Der Greifenmagier"-Trilogie, einen ungewöhnlichen und ungemein fesselnden Blick auf diese fantastischen Geschöpfe. Dabei lernt man die fremdartigen Kreaturen in erster Linie durch die Augen der fünfzehnjährigen Kes kennen, deren Leben durch das Erscheinen der Greifen vollkommen auf den Kopf gestellt wird.

Eigentlich sind Greifen Geschöpfe der Wüste und haben in den Bergen Farabiands nichts verloren. Trotzdem sieht Kes, als sie zum Kräutersammeln in den Bergen unterwegs ist, diese feurigen Wesen am Himmel fliegen und ist vom ersten Moment an von ihrem Anblick verzaubert. Für ihre Nachbarn, die vor allem von der Landwirtschaft leben, stellen die Greifen allerdings eine Bedrohung dar. Sie erlegen nicht nur Wild und Nutzvieh, sondern verwandeln auch den fruchtbaren Boden in Wüstenland. Doch noch bevor die Menschen etwas gegen die Eindringlinge in ihrem Gebiet unternehmen können, holt Kairaithin - Magier der Greifen - Kes aus ihrer Mitte, damit sie ihm hilft.

Denn die Greifen mussten ihre angestammte Wüste verlassen, weil sie von den Kaltmagiern aus Casmantium angegriffen und schwer verwundet wurden. Kairaithin ist in diesem Fall nicht in der Lage, seinem Volk zu helfen, da er über keine Heilmagie verfügt. In Kes hingegen findet er die Fähigkeit, die Greifen zu heilen, und bringt ihr deshalb einen Teil seiner Feuermagie bei. Das Mädchen ist von der Schönheit und Fremdartigkeit der Greifen hingerissen und merkt zu spät, dass der Einsatz der unmenschlichen Magie auch es selbst verändert. Doch mit der Heilung der Greifen ist das Problem noch lange nicht erledigt. Für den König des Landes Farabiand stellen die Wüstengeschöpfe eine Bedrohung für sein Volk dar und so sieht er sich gezwungen zu handeln.

Die Grundidee, dass in einem gewöhnliches Mädchen vom Lande besondere Fähigkeiten schlummern, die ein ganzen Volk retten können, ist beim besten Willen nicht neu. Doch Rachel Neumeier erzählt ihre Geschichte auf eine Weise, dass auch langjährige Fantasyleser immer wieder etwas Ungewöhnliches entdecken und von der Handlung überrascht werden können. Der Autorin gelingt es zudem, aus den Greifen eine überzeugende fremdartige Rasse zu machen, ohne sie dabei zu vermenschlichen. So wird deutlich, dass Menschen von ihnen fasziniert sind, aber doch niemals verstehen können, was diese Kreaturen wirklich denken.

Auch die Verbindung zwischen den Greifen, der Wüste, dem Wind und dem Feuer ist in all den kleinen Details stimmig, während Rachel Neumeier für die Menschen von Farabiand eine Affinität zu der Erde und ihren Tieren gewählt hat. So stehen dem König des Landes Erdmagier zur Verfügung, während andere Menschen über die Macht verfügen, über bestimmte Tierrassen zu herrschen. Trotz dieser beeindruckenden Gaben ist das Leben in Farabiand nicht einfach, denn die benachbarten Länder wie zum Beispiel Casmantium warten nur auf ein Zeichen der Schwäche, um einen Teil Farabiands für sich zu erobern.

Diese latente Bedrohung ist es auch, die der Handlung noch eine weitere reizvolle Komponente hinzufügt. Während die Greifen bereit sind, gegen jeden Menschen - unabhängig von seiner Herkunft - zu kämpfen, muss König Iaor einen Weg finden, um Farabiand vor den Wüstengeschöpfen zu schützen, ohne sich dabei in eine angreifbare Position zu bringen. Auch Kes muss bald eine Lösung finden, die sie nicht zwingt, sich zwischen den Greifen und den Menschen, die ihr nahe sind, zu entscheiden. So entsteht eine fesselnde (und in sich abgeschlossene) Geschichte voller Überraschungsmomente, die in einem flüssigen Stil erzählt wird. Einzig die Flut der fremdartigen Namen könnte den einen oder anderen Leser etwas überfordern, da vor allem die der Greifen zum Teil aus sehr ähnliche lautenden Silbenkombinationen zusammengesetzt wurden.

Fazit:

Mit "Herr der Winde", dem ersten Teil der "Greifenmagier"-Trilogie, hat Rachel Neumeier eine Geschichte geschaffen, die selbst für den erfahrenen Fantasyleser noch viele überraschende Elemente beinhaltet. Neben den diversen unvorhersehbaren Wendungen in der Handlung, der gut konstruierten Fantasywelt und den sympathischen menschlichen Charakteren sind es vor allem die Greifen, die den Leser faszinieren. Ohne dabei in eine Vermenschlichung der Fabelwesen abzugleiten, gelingt es der Autorin, eine überzeugende und fremdartige Rasse zu beschreiben, deren Schönheit und Wildheit die Leser ebenso fesselt wie ihre Andersartigkeit. Und obwohl die Handlung in diesem Band abgeschlossen ist, bietet das Ende noch einiges Potenzial für die kommenden beiden Teile der Trilogie und macht so neugierig auf weitere Geschichten rund um die Greifen und die Menschen, die mit ihnen konfrontiert werden.
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