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Miss Winter lässt nicht locker  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 22. November 2011

Miss Winter lässt nicht locker

Originaltitel: Winter in June
Übersetzt von: Kirsten Riesselmann

3. Band der Reihe

Untergenre: Historisches
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: August 2011
ISBN: 978-3-518-46264-5
Preis: 9,95 EUR

467 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Zum Inhalt:

Rosie Winter ist auf dem Weg in die Südsee. Zusammen mit ihrer Freundin Jayne und einer Gruppe Tänzerinnen soll sie in diesem Juni 1943 bei den Soldaten an der Front für gute Laune sorgen. Doch das erweist sich als gar nicht so einfach: Die Überfahrt ist turbulent, die Feldbetten hart und das Essen schlecht. Außerdem stiehlt der Hollywood-Star Gilda DeVane den anderen Frauen die Show und Rosies große Liebe Jack gilt seit Wochen als vermisst. Während Rosie zwischen Tanzeinlagen und Luftangriffen versucht, mehr über Jacks Verschwinden herauszufinden, wird Gilda bei einem ihrer Auftritte erschossen ...

Meinung:

Nachdem Rosie Winter in "Ein Schlachtplan für Miss Winter" endlich Nachrichten von ihrem (Ex-)Freund Jack bekommen hatte, bestand für die Schauspielerin dringender Handlungsbedarf. Denn sie hat nicht nur von einem ehemaligen Kameraden erfahren, dass Jack bei einem Angriff verletzt wurde, sondern auch, dass ihr Freund desertiert ist, um vor seinem eigenen Vorgesetzten zu flüchten. Doch weitere Informationen kann sie so fern des Schlachtfelds schon allein aufgrund der Nachrichtenpolitik der Streitkräfte nicht bekommen.

Um mehr über Jacks Verbleib herauszufinden, lässt sich Rosie zusammen mit ihrer besten Freundin Jayne für die Fronttournee der USO (United Service Organisations) anwerben. Gemeinsam mit drei weiteren Künstlerinnen - unter ihnen auch die berühmte Hollywood-Schauspielerin Gilda DeVane - sollen die Frauen auf den Salomonen die amerikanischen Soldaten unterhalten und von ihrem Kriegsalltag ablenken. Doch schon das Auslaufen der "Queen of the Ocean" aus dem amerikanischen Hafen gestaltet sich schwierig, als die Leiche einer blonden Frau im Hafenbecken gefunden wird.

Der Anblick der toten Frau verfolgt Rosie auf ihrer ganzen Reise und geht ihr auch nicht aus dem Kopf, als sie und ihre Freundinnen an ihrem Zielort angekommen sind. Im Camp angekommen, muss die Schauspielerin erst einmal mit dem Alltag unter diesen provisorischen Bedingungen fertig werden, bevor sie Erkundigungen nach Jack einholen kann. Dabei wirkt der Krieg anfangs nur wie eine abstrakte Bedrohung auf die Künstlerinnen, die mit Ratten und Insekten in den Zelten, der primitiven Unterbringung und dem extremen Klima zu kämpfen haben, doch bald werden sie mit den wahren Schrecken des Krieges konfrontiert.

Aber auch vor kleinlichen Auseinandersetzungen innerhalb der kleinen USO-Gruppe oder zwischen den Künstlerinnen und den Frauen des WAC (Women's Army Corps) sind Rosie und Jayne nicht gefeit, ebenso wenig wie vor den schnell entstehenden Beziehungen zwischen den Soldaten und den wenigen Frauen im Camp. Nur an verlässliche Informationen über Jack kann Rosie einfach nicht herankommen, nur an das eine oder andere belastende Gerücht über seinen Tod. Dafür findet sie heraus, dass anscheinend Material und Proviant aus dem Lager verschwinden, während die Japaner näher sind, als es den Amerikanerinnen lieb sein kann.

Kathryn Miller Haines präsentiert mit dem dritten Band rund um die Schauspielerin Rosie Winter eine atmosphärische Beschreibung des Lebens in einem Lager auf den Salomonen während des Zweiten Weltkriegs. Dabei erinnern einige Romanpassagen in ihrer Mischung aus tragischen Schicksalen, Galgenhumor und schlagfertigen Dialogen an die beliebte Fernsehserie "M*A*S*H" (nach dem Roman von Richard Hooker). Doch die Autorin nutzt auch die Gelegenheit und rechnet (über die Figur der Gilda DeVane) mit der Filmfabrik Hollywood ab, wo es ganz selbstverständlich zu sein scheint, dass ein Mensch für den Erfolg als Schauspieler seine Identität aufgibt, um der Vorstellung von Produzenten und Fans zu entsprechen.

So leicht die Handlung in "Miss Winter lässt nicht locker" mit ihren abendlichen Tanzveranstaltungen mit den Soldaten und luxuriösen Essen mit den Offizieren beginnt, so eindrucksvoll gestaltet die Autorin im Laufe der Geschichte die Einblicke in den Alltag der USO-Künstlerinnen. Gemeinsam mit Rosie und ihren Kolleginnen fühlt der Leser mit den verletzten Soldaten und erschrickt über die Abgründe, die der Krieg in den Männern, die schon viel zu lange kämpfen, hinterlassen hat, während eine heitere Bühnenshow schon mal durch einen Angriff des Feindes unterbrochen werden kann.

Dabei tritt die eigentliche Krimihandlung (wieder einmal) hinter die stimmigen und atmosphärischen Beschreibungen des Lagerlebens zurück - vor allem, da man als Leser die eine oder andere Wendung der Geschichte schon vorausahnen kann. Doch das ändert nichts daran, dass es durch die Kriegsgeschehnisse zu einigen spannenden Szenen kommt, bei denen Rosie und Jayne nicht nur um ihr eigenes Leben bangen müssen, während der Leser auf unterhaltsame Weise - dank der USO-Mitglieder - einen neuen Blick auf die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg werfen kann.

Fazit:

Auch in "Miss Winter lässt nicht locker", dem dritten Rosie-Winter-Band von Kathryn Miller Haines, spielt die Krimihandlung neben den eindringlichen Beschreibungen des Lebens während des Zweiten Weltkriegs die Nebenrolle. Dabei verlässt die Schauspielerin dieses Mal ihr vertrautes New York und wird als Mitglied einer USO-Fronttournee direkt mit dem Krieg auf den Salomonen konfrontiert. Kathryn Miller Haines gelingt dabei die Balance zwischen unterhaltsamen Szenen, in denen Rosie Winter und ihre Kolleginnen mit den Hindernissen des Lagerlebens zurechtkommen müssen, und eindringlichen Momenten, die die Realität des Krieges aufzeigen.
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