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Weil wir glücklich waren  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Allgemeine Belletristik
Geschrieben von Jana Witte   
Sonntag, 20. November 2011

Weil wir glücklich waren

Originaltitel: While I'm Falling
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juli 2011
ISBN: 978-3-404-16049-5
Preis: 8,99 EUR

399 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Veronica hat gerade erst angefangen, ihr eigenes Leben zu leben, da erfährt sie: Ihre Eltern haben sich getrennt. Plötzlich steht sie vor den Trümmern ihrer einst so glücklichen Familie. Dabei braucht sie ihre Eltern gerade jetzt. An der Uni läuft es nicht so gut und dann ist Veronica auch noch verliebt - zum ersten Mal so richtig. Doch auch mit der Liebe ist es alles andere als einfach. Veronica nimmt es ihren Eltern übel, dass diese sie mit ihren Problemen nun ganz allein lassen. Und dann passiert etwas, womit sie niemals gerechnet hätte: Ihre Mutter steht mit gepackten Koffern vor der Tür und bittet Veronica, eine Weile bei ihr wohnen zu dürfen. Ein Belastungstest, aber auch eine Chance für Mutter und Tochter, sich noch einmal ganz neu kennenzulernen ...

Meinung:

"Weil wir glücklich waren" ist der dritte in Deutschland erschienene und stimmig übersetzte Roman der US-Amerikanerin Laura Moriarty. Und erneut widmet sich die Autorin einem Mutter-Tochter-Verhältnis: Veronica ist die jüngere der zwei Töchter von Natalie und Dan. Während Elise, die Ältere, wie ihr Vater Jura studiert hat und als Anwältin arbeitet, bereitet sich die 20-jährige Veronica am College auf das Medizinstudium vor. Dann findet Dan einen schlafenden Mann in seinem Bett, was seine Trennung von Natalie veranlasst. Hiermit beginnt zwar der Roman; die eigentliche Handlung setzt jedoch erst später im Jahr ein.

Während einer intensiven und schwierigen Prüfungsvorbereitung hat Veronica einen Autounfall. Obwohl es nur ein Zusammenstoß mit Blechschaden ist, sind die Folgen für die schon vorher emotional angespannte, zugeknöpfte und erschöpfte Veronica weitreichend: Der Unfall wirft ein neues Licht auf ihre Beziehung zu ihren Eltern sowie deren Verhältnis zueinander. Und er ist Auslöser einer emotionalen und auch sozialen Kettenreaktion. Zu dem Verlust des elterlichen Heimes und den Veränderungen ihrer Mutter kommt hinzu, dass ihre Beziehung zu ihrem Freund Tim erschüttert wird. Und auch auf dem Campus läuft einiges aus dem Ruder, was Veronicas Versagungsängste weiter erhöht.

Grundsätzlich gestaltet Laura Moriarty ihre Charaktere lebensnah und erzählt auch eine glaubhafte Familiengeschichte. Es fällt nicht weiter schwer, Veronicas Erschöpfung zu verstehen oder Natalies Bemühungen, sich selbst neu zu finden. Auch Dans Versuche, Natalie im Rahmen der Scheidung zu diskreditieren, oder Elises selbstbewusstes Auftreten sind nachvollziehbar und charakterisierend. Dennoch hat "Weil wir glücklich waren" ein paar Schwächen. So wirkt Veronica manchmal etwas zu distanziert, was besonders in der Szene auffällt, bei der sie nach ihrem Unfall als Anhalterin mitgenommen wird. Hier hätte man als Leser eine stärkere direkte Reaktion und eine entsprechende Schilderung erwartet.

Störend wirkt zum Beispiel auch der zweimalige vollständige Perspektivwechsel. Die Geschichte wird eigentlich aus der Ich-Perspektive der 20-jährigen Veronica erzählt, was ihr eine entsprechende emotionale Färbung verleiht. Vor diesem Hintergrund ist es kein Kritikpunkt, dass die Protagonistin manchmal ungerecht und nervend wirkt. Bei zwei Gelegenheiten wird diese Erzählstruktur jedoch von der Autorin durchbrochen, indem auf Veronicas Mutter geschwenkt wird. Dabei kommt Natalie nicht etwa wie ihre Tochter selbst zu Wort, sondern diese Episoden werden aus der dritten Person heraus geschildert.

Zwar wird dadurch klar, warum Natalie so reagiert, während Veronica nur die Reaktion an sich sieht. Das ist aber auch das Problem: Nur die Leser allein lernen Natalies aktuelle Situation und Motivation kennen. Wirklich deutlich wird im Roman nicht, ob später hierzu ein klärendes Gespräch zwischen Tochter und Mutter stattfindet. Natürlich ist die Mutter-Tochter-Beziehung, um die es der Autorin geht, nicht problemlos. Dennoch erfüllt sie in ihrer Gestaltung und Entwicklung nicht ganz die Erwartungen der Leser, die hier stärkere Konflikte und Emotionalität angenommen hätten. Auch der deutsche Titel "Weil wir glücklich waren" wirkt nicht sehr passend. In Laura Moriartys Roman wird die Protagonistin von einer Welle mehrerer Ereignisse binnen einer kurzen Zeit überrollt. Eine stärkere Nähe zum Originaltitel "While I'm Falling" wäre hier angemessener gewesen.

Fazit:

Auch in ihrem Roman "Weil wir glücklich waren" widmet sich Laura Moriarty einer Mutter-Tochter-Beziehung. Besonderes Augenmerk richtet die Autorin dabei auf die 20-jährige Veronica, die nicht nur durch die Trennung der Eltern gezwungen wird, ihre eigene Lebensführung zu hinterfragen. Obwohl die Geschichte sowohl stilistische als auch erzählerische Schwächen hat, wie sie zum Beispiel bei den Perspektivwechseln deutlich werden, ist sie lebensnah, unterhaltsam und gut lesbar. Allerdings wäre ein passenderer, näher am Original liegender deutscher Titel schön gewesen.
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