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Jäger des verlorenen Einhorns  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 20. November 2011

Jäger des verlorenen Einhorns

Originaltitel: Stalking the Unicorn
Übersetzt von: Thomas Schichtel

1. Band der Reihe

Untergenre: Krimi
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juli 2011
ISBN: 978-3-404-20008-5
Preis: 7,99 EUR

382 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Es ist 20:35 Uhr am Neujahrsabend. Privatdetektiv John Justin Mallory versteckt sich in seinem Manhattaner Büro vor seinem Vermieter, dem er permanent Geld schuldet. Er lässt das vergangene lausige Jahr noch einmal Revue passieren und macht schließlich den Bourbon dafür verantwortlich, dass er plötzlich einen streitlustigen Elf vor sich sieht. Der Elf bittet ihn um Hilfe. Mallory soll bis zum Morgengrauen ein gestohlenes Einhorn zurückbeschaffen. Gelingt ihm dies nicht, wird der Elf von der Gilde schwer bestraft. Mallory nimmt den Auftrag an. Das hätte er womöglich nicht, wenn er geahnt hätte, worauf er sich genau eingelassen hat ...

Meinung:

Man merkt dem Roman "Jäger des verlorenen Einhorns" an, dass Mike Resnick die Geschichte im Original schon im Jahr 1987 geschrieben hat (das Buch wurde in Deutschland bereits 1997 vom Heyne-Verlag unter dem Titel "Die Einhornpirsch" veröffentlicht). Ein Fantasyroman mit novel noir-Einschlägen wirkte vor vierundzwanzig Jahren noch relativ frisch und ungewöhnlich. Heutzutage bietet eine solche Geschichte dem Leser zwar keine überraschende Genre-Neuentdeckung mehr, aber immerhin noch amüsante Unterhaltung. Zum Lesevergnügen trägt auch die Neuübersetzung von Thomas Schichtel bei, der an den passenden Stellen moderne Anspielungen wie zum Beispiel auf Barack Obama eingebracht hat.

Gleich zu Beginn des Romans wird dem Leser unübersehbar klargemacht, dass das Leben es im letzten Jahr mit dem Privatdetektiv John Justin Mallory nicht gut gemeint hat. Sein langjähriger Partner Nick Fallico hat der Detektei den Rücken gekehrt, um einen gut bezahlten Job in Hollywood anzutreten. Dabei hat Nick Mallorys Frau Doreen mitgenommen und vorher noch diverse Klienten erpresst, um an das Startguthaben für die Reise zu kommen. So bleibt dem Detektiv nichts anderes übrig, als sich am Silvesterabend mit einer Flasche Bourbon, dem letzten Geschenk seines ehemaligen Partners, vor seinen Gläubigern zu verstecken.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass er das Erscheinen eines kleinen grünen Elfs auf seinem Schreibtisch auf den Einfluss des Alkohols schiebt. Doch schnell macht ihm der Elf Murgelström klar, dass er nicht nur real ist, sondern auch in einer Sache auf Leben und Tod dringend die Hilfe eines Privatdetektivs benötigt. Denn Murgelström war mit der Bewachung eines Einhorns beauftragt, welches ihm entwendet wurde, und wenn er das Tier nicht bis zum Morgengrauen wieder in seinem Besitzt hat, dann ist das Leben des Elfs verwirkt. Obwohl Mallory immer noch davon überzeugt ist, dass der Elf ein Produkt seiner alkoholgeschwängerten Fantasie ist, lässt er sich durch die Aussicht auf ein üppiges Honorar überreden, den Fall anzunehmen.

So findet er sich innerhalb kürzester Zeit in einem Manhattan wieder, wie er es nie zuvor gesehen hat - und dieses Manhattan hat seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Obwohl jeder Mallory versichert, dass es so etwas wie Magie gar nicht gibt und dass alles für ihn Ungewöhnliche durch genaue wissenschaftliche und technische Mittel ermöglicht wird, entfaltet diese Parallelwelt ihren ganz eigenen Zauber auf den Detektiv. Schnell findet er heraus, dass hinter dem Diebstahl des Einhorns der Dämon Grundy steckt. Als dieser erfährt, dass Mallory ihm das Einhorn wieder abjagen will, wird der Detektiv zum Gejagten und muss in den kommenden Stunden nicht nur um das Leben seines Klienten bangen.

So unterhaltsam die Suche nach dem Einhorn auch ist: Eine der größten Stärke der Geschichte liegt in den faszinierenden und seltsamen Elementen, die das fantastische Manhattan für Mallory bereithält und die dem Leser nicht selten ein zynisches oder satirisches Bild von unserer Gesellschaft vermitteln. Auf der anderen Seite hat Mike Resnick seinen John Justin Mallory ganz in der Tradition eines Philip Marlowe entworfen, der ungeachtet aller Risiken den Weg geht, der seinem persönlichen Ehrempfinden entspricht. Dabei muss Mallory nicht nur versuchen, seinen Auftrag angemessen zu erfüllen, sondern auch abwägen, welche Handlungsweise den Sieg über Grundy bringen könnte.

Letztlich konzentriert sich die Handlung in "Jäger des verlorenen Einhorns" auf die Basis, die sowohl eine gute Fantasy- als auch eine gute Kriminalgeschichte ausmacht, nämlich auf den Kampf des Guten gegen das Böse. Dabei kann der Leser den ganzen Roman hindurch die trockenen und amüsanten Dialoge zwischen Mallory und den skurrilen Einwohnern des fantastischen Manhattan genießen und sich an den verschiedenen ungewöhnlichen Einfällen des Autors erfreuen. Ein wenig schade ist es allerdings, dass man sich zum Beispiel bei einer Szene, die in einem Naturkundemuseum spielt, heutzutage bewusst machen muss, dass Mike Resnick seinen Roman Jahre vor dem Erscheinen des Films "Nachts im Museum" bzw. des Kinderbuchs, auf dem der Film basiert, geschrieben hat, um nicht das Gefühl zu bekommen, dass hier abgekupfert wurde.

Fazit:

Obwohl die Erzählweise von "Jäger des verlorenen Einhorns" auf den Leser heutzutage nicht so ungewöhnlich wirkt, wie es beim ersten Erscheinen der Geschichte im Jahr 1987 gewiss der Fall war, bietet Mike Resnicks Roman eine unterhaltsame Mischung aus klassischem amerikanischem Krimi und Fantasyroman. Neben dem grundsätzlichen Kampf des Guten gegen das Böse locken dabei vor allem die überzeugend dargestellte Figur des John Justin Mallory, dessen Charakter in angenehmer Weise an den von Philip Marlowe erinnert, die amüsanten Dialoge und die vielfältigen - und oftmals recht zynischen - Anspielungen auf unsere Gesellschaft. Zusammen mit den wunderbar skurrilen Elementen, die das fantastische Manhatten auf faszinierende Weise absurd und doch überraschend realistisch wirken lassen, ergibt diese Mischung einen überaus unterhaltsamen Roman.
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