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Gepäckschein 666  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 31. Oktober 2011

Gepäckschein 666

Verlag: Loewe
Erschienen: August 2011
ISBN: 978-3-7855-7367-9
Preis: 7,95 EUR

384 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Als Peter, der neue Page im Hotel Atlantic, einen Koffer aus Amerika vom Bahnhof abholen soll, kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung: Der Beamte hält den Gepäckschein falsch herum - und so ist Peter auf einmal im Besitz eines Koffers, in dem die Beute eines Bankraubs versteckt ist! Mit der Hilfe sämtlicher Schuhputzerjungen der Stadt kommt er dem Bankräuber auf die Spur. Allerdings ist der ihnen selbst schon auf den Fersen ...

Meinung:

Die erste Auflage von "Gepäckschein 666" wurde schon im Jahr 1953 vom Loewe Verlag veröffentlicht und seitdem hat die Geschichte von Alfred Weidenmann nichts von ihrer Faszination verloren. Dabei wird die Handlung gern mit Erich Kästners "Emil und die Detektive" verglichen, da in beiden Romanen eine Gruppe von Jungen auf der Suche nach einem Dieb ist. Doch es gibt zum Glück so große Unterschiede zwischen den beiden Büchern, dass man als Leser nicht das Gefühl bekommt, eine schon vertraute Geschichte noch einmal nacherzählt zu bekommen.

Hauptfigur in "Gepäckschein 666" ist der fünfzehnjährige Peter Pfannroth, der tagtäglich gemeinsam mit seinem Freund Emil Schlotterbeck vor dem Hamburger Hauptbahnhof als Schuhputzer arbeitet. Dort haben sie eines Tages auch den besten Blick auf Dreharbeiten zu einem Kriminalfilm, die sich schnell als perfekt geplanter Banküberfall herausstellen. Doch als ein Großteil der Bande - wenn auch ohne Beute - kurz darauf gefangen genommen wird, gerät dieser Überfall bei den Jungen bald wieder in Vergessenheit.

Zusätzlich ändert sich in Peters Leben so einiges, als er eine Lehrstelle im renommierten Hotel Atlantic antreten kann. Macht er sich anfangs noch Sorgen, ob er mit seinem neuen Beruf genügend verdient, um seine verwitwete Mutter finanziell unterstützen zu können, ist Peter bald mit all den neuen Aufgaben und Eindrücken beschäftigt, die er als Page sammeln kann. Besonders spannend wird es für ihn, als er dem gleichaltrigen Amerikaner Francis Overseas Gesellschaft leisten soll und die beiden Jungen über die Beute des Banküberfalls stolpern. Nur mit Hilfe der 50 Schuhputzerjungen, die in Hamburg arbeiten, gelingt es Peter und seinem amerikanischen Freund, heil aus der Sache herauszukommen.

Während "Gepäckschein 666" für einige erwachsene Leser ein wirklich amüsantes Wiedersehen mit einer Geschichte bringt, die sie schon in ihrer Jugend verschlungen haben, bietet der Roman den jugendlichen Lesern einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in das Leben zu Beginn der 1950er-Jahre in Deutschland. Der Wirtschaftsaufschwung nimmt gerade erst seinen Anfang und in vielen Familien sind die Kinder gezwungen, zum Lebensunterhalt beizutragen. Auf der anderen Seite gibt es auch diejenigen, die von der erstarkenden Wirtschaft profitieren, sodass sie es sich leisten können, in einem Luxushotel zu leben und auf ein pompöses Auto mit Chauffeur zurückgreifen können, statt auf die Straßenbahn angewiesen zu sein.

In "Gepäckschein 666" bekommt man beide Seiten der Gesellschaft präsentiert, während man gemeinsam mit Peter Pfannroth einen Blick sowohl auf das Leben der Schuhputzerjungen als auch hinter die Kulissen des Hotel Atlantics werfen kann. Obwohl Alfred Weidenmann mit all diesen Beschreibungen von dem Kriminalfall abschweift, der den roten Faden in diesem Roman bilden soll, kann man ihm dies aufgrund der liebenswerten Charaktere, der amüsanten Dialoge und der atmosphärischen Erzählweise jederzeit verzeihen - vor allem, wenn man am Ende der Geschichte feststellt, dass auch all diese kleinen Abschweifungen ihren Platz in der Handlung haben und dem Leser einen weiteren Hinweis auf die Lösung des Verbrechens bieten.

Trotz des rasanten Abschlusses der Geschichte, der nicht nur mit einer aufregenden Verfolgungsjagd, einem wehrhaften Vertreter für Schuhputzartikel, einer Beinahe-Entführung und einer ungewöhnlichen Pressekonferenz aufwartet, überwiegen am Ende doch die amüsanten und zeitlosen Elemente der Geschichte. So kann "Gepäckschein 666" auch gut von bzw. mit Kindern gelesen werden, die unter der vom Verlag empfohlenen Altersfreigabe von zwölf Jahren liegen.

Fazit:

Auch mehr als sechzig Jahre nach der Erstveröffentlichung bietet der Roman "Gepäckschein 666" von Alfred Weidenmann immer noch spannende Unterhaltung. Unabhängig davon, ob man als erwachsener Leser Kindheitserinnerungen auffrischen will oder ob man die Geschichte heute als Jugendlicher neu entdeckt: Dieser amüsante Jugendkrimi entführt den Leser in ein Hamburg der 1950er-Jahre und lässt einen nicht nur einen interessanten Blick auf diese Zeit werfen, sondern bietet zusätzlich so sympathische Charaktere und amüsante Dialoge, dass der fesselnde Kriminalfall fast zur Nebensache wird.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
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