Banner bookdepository.com

Mein Mann der Mörder  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 4. September 2011

Mein Mann der Mörder

Verlag: Grafit
Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3-89425-382-0
Preis: 8,99 EUR

320 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Von einem Tag auf den anderen zerbricht Xenia Rabes heile Welt: Ihr Mann Tobias hat ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet. Nun ist er auf der Flucht vor der Polizei. Fassungslos fragt sich Xenia, warum sie von dem Doppelleben ihres Mannes nichts geahnt hat, und geht auf Spurensuche. Wer ist der Mann, den sie so überstürzt geheiratet hat? In Tobias' Heimatdorf stößt sie auf sein furchtbares Familiengeheimnis. Ist dies der Schlüssel zu seiner Tat? Oder ist in Wahrheit alles ganz anders? Xenia fasst einen verhängnisvollen Entschluss ...

Meinung:

Mit "Mein Mann der Mörder" veröffentlicht der Grafit-Verlag den ersten Roman der Journalistin Kerstin Herrnkind. Auf den ersten Blick geht es in der Geschichte um Xenia Rabe, eine Frau, die eines Tages erfahren muss, dass ihr Ehemann Tobias ein junges Mädchen vergewaltigt und ermordet hat. Nachdem ihr in den folgenden Wochen Stück für Stück ihr gewohntes Leben entgleitet, versucht Xenia herauszufinden, wer Tobias wirklich war und welche Gründe es für sein Verbrechen gegeben haben könnte. Aber auch die Frage nach Tobias' aktuellem Aufenthaltsort steht im Raum und lässt Xenia keine Ruhe.

Dabei gelingt es der Autorin, den Leser von Anfang an mit ihrer Figur der Xenia Rabe zu verwirren. Denn während man erwartet, dass die Ehefrau nach einer solchen Tat verarbeiten muss, dass der von ihr geliebte Mann zu solch einem Verbrechen fähig sein soll, bemüht sich Xenia eher darum, herauszufinden, warum sie überhaupt diesen Mann geheiratet hat. Erst als es ihr nicht gelingt, sich radikal von Tobias und ihrer gemeinsamen Zeit zu distanzieren, beschäftigt sie sich mit ihm und den - im Nachhinein verdächtig wirkenden - Erlebnissen in ihrer Ehe.

Parallel zu Xenias Perspektive lässt Kerstin Herrnkind noch weitere Figuren zu Wort kommen, die während dieser Zeit Kontakt zu Frau Rabe haben. Besonders konzentriert sich die Autorin dabei auf den Alltag zweier Polizeireporter, die Xenia zu ihrem Mann befragen wollen. Während der Leser anfangs über die ausführlichen Beschreibungen zum Alltag als Journalist und das Privatleben dieser Personen etwas verwirrt ist und das Ganze als Ablenkung von der eigentlichen Handlung empfindet, wird gegen Ende des Romans deutlich, wie wichtig diese außenstehenden Perspektiven für die Geschichte sind.

So interessant der Ansatz der Autorin ist, einen Roman aus Sicht der Ehefrau eines Täters zu erzählen, die versucht mit dem Verbrechen ihres Mannes fertig zu werden, so sehr häufen sich leider im Laufe der Handlung kleine Unstimmigkeiten und unglaubwürdige Aktionen bei den verschiedenen Figuren, die auch durch die überraschende Wendung am Ende der Geschichte nicht vollkommen zufriedenstellend erklärt werden. Immerhin bietet Kerstin Herrnkind einen faszinierenden und nicht selten zynischen Einblick in die Arbeit von Polizei und Staatsanwalt und beschreibt ausführlich die Skrupellosigkeit der beiden Reporter bei ihren Versuchen, an Fotos und Informationen zu Kriminalfällen zu kommen.

Auch ist der Schreibstil der Autorin stimmig und gut zu lesen, während es ihr gelingt, jeder Figur einen ganz eigenen, prägnanten Charakter zu verleihen. Obwohl nur wenige Personen dem Leser wirklich sympathisch sind, wirken sie recht realistisch, und so bleibt man doch das gesamte Buch über neugierig auf die weitere Entwicklung der Figuren und den Verlauf der Handlung. Gerade aufgrund der hohen Erwartungen, die Kerstin Herrnkind mit ihrer fesselnden Geschichte aufgebaut hat, ist die Enthüllung am Ende umso desillusionierender für den Leser und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Durch diese unerwartete Wendung wird ein vollkommen neues Licht auf eine der handelnden Personen geworfen und all die aus ihrer Perspektive erzählten Szenen werden rückwirkend ad absurdum geführt. Dieser Kniff hinterlässt beim Leser am Ende des Romans das unbefriedigende Gefühl, gezielt fehlinformiert worden zu sein. Selbst wenn man bei einem erneuten Durchblättern feststellt, dass die verschiedenen Passagen auch mit dem Wissen um die Auflösung immer noch stimmig zu lesen sind, enttäuscht eine solche Wendung in der Geschichte denjenigen, der vom Autor ein gewisses Maß an Fairness gegenüber seinen Lesern erwartet.

Fazit:

Kerstin Herrnkinds Debütroman "Mein Mann der Mörder" verfügt eigentlich über alle Elemente, die eine fesselnden Kriminalgeschichte ausmachen: Eine erfrischende Grundidee, verschiedene Perspektiven, überzeugende Charaktere und ein flüssiger Schreibstil vermischen sich zu einer spannenden Handlung rund um Xenia Rabe, obwohl die Abschweifungen zum Alltag zweier Polizeireporter anfangs etwas überflüssig wirken. Doch die von der Autorin eingebaute überraschende Auflösung der Geschichte sorgt dafür, dass die Faszination von einem Moment auf den anderen verfliegt und der Leser enttäuscht zurückbleibt. Bei diesem Buch wäre der Verzicht auf eine weitere Steigerung in der Handlung eindeutig die bessere Lösung gewesen.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.