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Dämonengold  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Jana Witte   
Samstag, 18. Juni 2011

Dämonengold

1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: April 2011
ISBN: 978-3-4042-0001-6
Preis: 14,00 EUR

560 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
6.9

Wertung:
6.9
von 10
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Zum Inhalt:

Baazlabeth ist ein uralter Kriegerdämon und lebt in einer Dimension weit von der Welt der Menschen entfernt. Ab und an verirrt sich ein unglücklicher Mensch dorthin und dann quält Baazlabeth ihn zu Tode. Doch eines Tages führt ein Magier in der Stadt Brisenburg eine Beschwörung durch und reißt den Dämon aus seinem Reich. Baazlabeth will schnellstmöglich zurück, doch er darf erst wieder gehen, wenn er 5000 Goldstücke verdient hat. Auf ehrliche Art und Weise ...

Meinung:

Der deutsche Autor Stephan Russbült bleibt nach seiner Oger-Trilogie dem Fantasygenre treu. Und auch in "Dämonengold" ist der Protagonist nicht das, was man als Held bezeichnen würde: Der Leser lernt recht schnell, dass es nicht etwa um den menschlichen Magier Ingvarr geht, der unglücklicherweise in Baazlabeths Welt landet. Vielmehr dreht sich die Geschichte um den Kriegerdämon Baazlabeth selbst, der aufgrund seiner Natur Chaos und Gewalt schätzt. Während sich nun Baazlabeth über Ingvarrs unbeabsichtigten Besuch und die damit verbundene Abwechslung freut, wird in einer menschlichen Welt von Nemrothar, dem Magier, eine Beschwörung durchgeführt. Bevor der Kriegerdämon weiß, wie ihm geschieht, steht er im Bannkreis Nemrothars. Dieser hat ihn im Auftrag der Finstergilde beschworen, die einen Assassinenauftrag an Baazlabeth vergeben will. Wenigstens ein vernünftiger Auftrag, wenn er schon aus seinem Heim gezerrt wird, denkt der Kriegerdämon. Er wird allerdings enttäuscht, denn Nemrothar hat ein ganz eigenes Anliegen: Verdiene 5000 Goldstücke in Brisenburg, und zwar aufgrund Tätigkeiten, die mit den Sitten und dem Gesetz in Einklang stehen.

Frustriert muss der in Menschengestalt geschlüpfte Dämon feststellen, dass 5000 Goldstücke nicht so schnell zu verdienen sind. Natürlich könnte er einfach so verschwinden - aber das widerstrebt Baazlabeth: Nemrothar hätte gewonnen ... und was würden dann seine dämonischen Verwandten denken? Baazlebeth schluckt zunächst seinen Ärger über Nemrothar und die nervigen Menschen herunter und versucht sich anzupassen. Und nebenbei zerbricht sich Baazlabeth den Kopf, was es mit dem ursprünglichen Auftrag auf sich hatte und warum er von Nemrothar geändert wurde. Und natürlich, wie er es dem Magier nach Auftragserledigung heimzahlen kann. Dass es in der Stadt eine Macht gibt, die den menschlichen Bewohnern das Leben aussaugt, und dass ihm aufgrund seines Temperamentes die Stadtwache und dann noch die Inquisitoren auf den Fersen sind, macht seine Aufgabe auch nicht leichter. Aber schließlich ist er ein Kriegerdämon, ein Horde, und er wird es Nemrothar und den Menschen schon zeigen.

Es fällt leicht, in die von Stephan Russbült geschaffenen Welten einzutauchen. Zum einen liegt dies an der konkreten Beschreibung des Settings, die sich aber nicht zu sehr im Detail verliert. Außerdem folgen die Gesetze der Welten einer inneren Logik, mit der man im Laufe der Geschichte vertraut wird. Zusammen mit Baazlabeth lernt der Leser besonders Brisenburg und seine Bewohner genauer kennen und erlebt hautnah Baazlabeths Versuche mit, die Aufgabe zu erfüllen und nebenher die Geheimnisse der Auftragsänderung, der Stadt und einiger ihrer Bewohner aufzudecken ... und natürlich etwas Chaos zu stiften. Dass der Autor einen eingängigen Erzählstil mit Witz und schwarzem Humor besitzt, kommt noch hinzu. So wirkt es durchaus erheiternd, wie sich der Kriegerdämon in langweiligen Gesprächen durch die Vorstellung von explodierenden Köpfen selbst unterhält.

Der Autor achtet dabei darauf, dass Baazlabeths chaotisches und hochmütiges Naturell im Romangeschehen nicht untergeht. Der Dämon löst Probleme hauptsächlich auf tödliche Art und Weise. Selbst wenn Baazlabeth sich zurücknimmt und abwartet, geschieht dieses regelmäßig nicht ohne Grund. Ab und an werden diese Verhaltensweisen allerdings durchbrochen, zum Beispiel gegenüber dem Wirt Dumpf, und die Motivation hierfür wird nicht immer klar. Insgesamt erhält Baazlabeth aber durch diese Differenziertheit als Charakter Tiefe. Und da Stephan Russbült seinen Protagonisten wegen Selbstüberschätzung häufig auch über das Ziel hinausschießen lässt, provoziert er beim Leser Erheiterung und sogar Sympathie für den überheblichen, chaotischen Dämon.

Neben manchen unmotivierten Verhaltensweisen bleiben auch einige Charaktere, zum Beispiel Moloch, mysteriös und einige Fragen unbeantwortet. Teilweise liegt dies in der Erzählstruktur des Romans begründet: Der Leser lernt Brisenburg und seine Bewohner nur durch Baazlabeths Augen kennen, der einige Menschen in "Dämonengold" nur einmal trifft. Und da die Geschichte um Brisenburg in einem weiteren Roman fortgesetzt wird, verzeiht man - in der Hoffnung auf Antworten - dem Autor auch etwas die offen gelassenen Fragen.

Wenig Verständnis bringt man allerdings für die gehäuft auftretenden Rechtschreibfehler und teilweise sinnentstellten Sätze auf. Die Lesefreude wird mit jedem weiteren Fehler mehr getrübt - ein überflüssiges, da vermeidbares Ergebnis. Etwas bedenklich erscheint auch die uneingeschränkte Empfehlung des Romans für Leser ab zwölf Jahren. Zwar ist das Buch in einer Sprache und in einem Ton geschrieben, die es für Kinder dieses Alters gut lesbar machen, allerdings werden auch etliche Kampf- und Todesszenen geschildert, die ein Erwachsener besser als ein kindlicher Leser gewichten kann. Eltern oder Erzieher sollten sich möglicherweise selbst ein Bild machen, bevor sie das Buch ihren Zöglingen geben.

Fazit:

Schwarzhumorig und unterhaltsam schildert Stephan Russbült in "Dämonengold", wie sich der Kriegerdämon Baazlabeth einer Beschwörung und einem Auftrag in Brisenburg ausgesetzt sieht, mit ehrlicher Arbeit 5000 Goldtaler zu verdienen. Seine Neigung, Gewalt und Chaos zu verbreiten, ist dabei nicht immer förderlich. Nach und nach entdeckt der überhebliche Dämon weitere Geheimnisse der Stadt Brisenburg, es werden Schlachten geschlagen und manche Rätsel gelöst, aber einige Fragen bleiben offen und werden hoffentlich im demnächst erscheinenden Roman "Dämonenzeit" beantwortet. Störend wirken sich allerdings die gehäuft auftretenden Rechtschreib- und Sinnfehler aus, die durch ein sorgfältiges Lektorat hätten vermieden werden können. Auch die Altersempfehlung ab zwölf Jahren sollte von Eltern nicht blindlings akzeptiert werden, da in "Dämomengold" doch einige Kampf- und Todesszenen enthalten sind.
Weiterführende Infos
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