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Schweigt still die Nacht  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 26. Mai 2011

Schweigt still die Nacht

Originaltitel: The Replacement
Verlag: script5
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3-8390-0127-1
Preis: 17,95 EUR

368 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Mackie Doyles Geheimnis und das seiner Stadt sind untrennbar miteinander verbunden. Um sein Leben zu schützen, tut er gut daran, keine Aufmerksamkeit zu erregen. Doch als ein Kind verschwindet, muss Mackie sich entscheiden: Bricht er das Schweigen oder lässt er das Entsetzliche geschehen?

Meinung:

Mit "Schweigt still die Nacht" ist Brenna Yovanoff ein wunderbar atmosphärischer Debütroman gelungen. Erzählt wird die Geschichte in diesem Buch aus der Sicht des Mackie Doyle. Dieser wohnt von klein auf in dem provinziellen Ort Gentry und obwohl diese Kleinstadt auf den ersten Blick wie jeder andere amerikanische Ort wirkt, liegt eine unheimliche Atmosphäre in der Luft. So erlebt der Leser eindringlich Mackies Bemühungen um Unauffälligkeit mit, ohne überhaupt zu wissen, warum es für den Teenager so wichtig ist, wie alle anderen zu sein. Lange Zeit lässt die Autorin offen, warum Mackie sich so um Anpassung bemühen muss. Man weiß nur, dass seine Eltern befürchten, dass ihr Sohn wie Kellan Caury enden könnte, der eines Tages von einem wütenden Mob gelyncht wurde.

Dafür bekommt der Leser ständig neue Hinweise darauf, inwieweit sich der Junge von seinen Klassenkameraden unterscheidet. Mackie ist allergisch gegen bestimmte Metalle, ihm wird übel, wenn er Blut auch nur riecht, und auch sonst scheint er in erster Linie kränklich zu sein. Zusätzlich spielt Brenna Yovanoff in ihrem Roman immer wieder auf alte irische Sagen an, sodass der Leser, der sich mit dieser Mythologie auskennt, bald eine konkrete Vorstellung von Mackies Problemen bekommt, während diejenigen, die nicht über dieses Hintergrundwissen verfügen, noch eine Weile weiter rätseln dürfen.

Zu dieser steten - wenn auch unausgesprochenen - Bedrohung für Mackie steht das Verhalten seiner engsten Freunde und seiner Schwester in großem Kontrast. Mackies Schwester Emma hat schon als kleines Kind beschlossen, dass es ihre Aufgabe ist, ihren kleinen Bruder zu beschützen, und für seinen besten Freund Roswell sind Mackies verschiedene Probleme ganz normal. Er behandelt den Teenager genauso wie all seine anderen Freunde und steht ihm - ebenso wie die Zwillinge Drew und Danny - jederzeit zur Seite.

Dabei erlebt man mit Mackie und seinen Freunden allerlei Highschool-Szenen, die sich eigentlich eher langweilig lesen lassen würden, würde nicht die Frage nach Mackies Geheimnis und seiner Sicherheit die ganze Zeit über im Raum stehen. Denn sein unauffälliges Leben wird durch die Verzweiflung einer Mitschülerin bedroht, deren kleine Schwester Natalie gerade erst begraben wurde. In Gentry kommt es häufiger zu Todesfällen bei kleinen Kindern, doch Tate will nicht glauben, dass die Tote wirklich ihre kleine Schwester war - und sie erwartet von Mackie, dass er ihr bei der Suche nach Natalie hilft.

Brenna Yovanoff hat mit ihrem Debütroman eine wunderbare und ungewöhnliche Geschichte geschaffen, die vor allem von einer durchdringlichen düsteren Atmosphäre getragen wird - wozu auch die bildhafte, aber nie übertriebene Sprache der Autorin einen großen Teil beiträgt. Während Brenna Yovanoff es dem Leser anfangs schwer macht, sich Mackie näher zu fühlen, da der Junge schon sein Leben lang seine eigentliche Natur verbirgt und selbst nicht weiß, wer er eigentlich wirklich ist, schließt man die vielen Nebenfiguren - allen voran Mackies Freund Roswell - schnell ins Herz.

Neben dem Rätsel um Mackies Geheimnis und den vielen kleinen Momenten, in denen die Autorin die Tiefe der Freundschaft zwischen dem Schüler und Roswell zeigt, ist es vor allem die von Brenna Yovanoff erzeugte Atmosphäre, die den Leser gefangen hält. Die gesamte Geschichte über scheint Gentry unter einem trüben und beklemmenden Regenwetter zu leiden, das so realistisch beschrieben wird, dass man sich beim Lesen an ein heißes Getränk und eine schützende Decke klammern will. Im Gegensatz dazu reißen einen die Szenen beim Lesen mit, in denen Mackie und Roswell das wöchentliche Konzert in der Starlight Music Hall besuchen oder in denen der Teenager selbst Musik macht, weil man sich regelrecht vom Rhythmus erfüllt fühlt.

Doch vor allem die Melancholie der übernatürlichen Seite Gentrys, der Seite, die die gewöhnlichen Bewohner der Stadt höchstens erahnen können und vor der sie sich doch Tag für Tag fürchten, unterscheidet diese Geschichte eindrucksvoll von anderen Romanen dieser Art. Hier erfährt man mehr über die Opfer, die die Stadt für ihre Sicherheit und ihren Wohlstand bringt, über Mackies Andersartigkeit und darüber, was aus mythologischen Figuren wird, wenn die Welt kaum noch an sie glaubt. Und diese Schattenseite der Stadt sorgt dafür, dass man bis zur letzten Seite um das Leben und die Zukunft von Mackie, seinen Freunden und allen anderen Bewohnern Gentrys bangt.

Fazit:

Brenna Yovanoffs Debütroman "Schweigt still die Nacht" beeindruckt den Leser vor allem durch seine schöne Sprache und die alles durchdringende düstere Atmosphäre. Nur allmählich erfährt man mehr über die Hauptfigur Mackie Doyle und den ungewöhnlichen Ort, in dem der Junge seit seinen ersten Lebensmonaten wohnt. So steigert die Autorin langsam die Spannung, während sich der Leser über Fragmente aus der irischen Mythologie und Mackies wahre Natur Gedanken machen kann. Bei einer so fesselnden Geschichte bleibt zu hoffen, dass die Autorin in Zukunft noch einmal einen so stimmungsvollen Roman schreiben wird.
Weiterführende Infos
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