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Please don't hate me  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 24. Mai 2011

Please don't hate me - Nichts ist wichtig, wenn man tot ist

Originaltitel: Please Ignore Vera Dietz
Übersetzt von: Katharina Bendixen

Verlag: Arena
Erschienen: Februar 2011
ISBN: 978-3-401-06644-8
Preis: 16,99 EUR

392 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Darf man Tote hassen? Muss man verzeihen, um den anderen zu retten? Wie viel Mut braucht die Wahrheit? Vera hasst Charlie. Aus tiefstem Herzen. Obwohl er einmal ihr bester Freund war, für den sie alles getan hätte. Obwohl sie seine dunkelsten Geheimnisse kannte. Obwohl sie ihn so geliebt hat. Und doch ist sie die Einzige, die weiß, was in jener Nacht wirklich geschah. Der Nacht, in der Charlie starb.

Meinung:

Mit "Please don't hate me" wagt sich die Autorin A. S. King an die Frage, wie man mit dem Tod eines Menschen umgehen soll, den man mehr geliebt und mehr gehasst hat als sonst jemanden auf der Welt. Dabei bekommt der Leser die Geschichte vor allem aus der Perspektive von Vera Dietz erzählt, die den Verlust des Nachbarjungen Charlie verkraften muss. Seit ihrem vierten Lebensjahr sind Vera und Charlie die besten Freunde, das ist auch die folgenden dreizehn Jahre über so geblieben. Doch dann verändert sich Charlie so sehr, dass Vera anfängt, ihn so sehr zu hassen, dass sie sicher ist, ihm sein Verhalten niemals verzeihen zu können.

Auch Charlies Tod kann an Veras Gefühlen für den ehemaligen Freund nichts ändern und so versucht sie in den Monaten danach, ihr Leben so weiterzuführen wie bisher. Doch egal, wie sehr sie sich etwas vormachen will: Charlie fehlt ihr und nun wird sie sich nie wieder mit ihm versöhnen können. Ebenso belasten sie die Dinge, die nur sie allein über die Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, weiß. So flüchtet sich Vera in ihren Alltag als Schülerin und Vollzeit-Pizzabotin - und wenn der Schmerz zu groß wird, dann halluziniert sie von Charlie und nippt an der Wodkaflasche, die sie unter dem Autositz versteckt hat.

Stück für Stück lernt der Leser Vera kennen und erlebt in (nicht chronologischen) Rückblicken ihre Kindheit mit Charlie. So liest man von den gemeinsamen Wanderungen, von den ersten tiefen Gefühlen, die über eine Freundschaft hinausgehen, und von dem, was im Nachbarhaus geschah und worüber alle immer nur geschwiegen haben. Mit Vera zusammen muss man sich fragen, ob Charlie vielleicht noch leben würde, wenn nicht alle immer nur weggeschaut und sich um ihre eigenen Belange gekümmert hätten. Dabei kommen auch Veras Vater, der tote Charlie und sogar die Pagode (ein chinesisch anmutender Turm, der das Wahrzeichen der Stadt ist) zu Wort, sodass man die Geschichte auch aus anderen Perspektiven betrachten kann.

"Please don't hate me" wurde von A. S. King in einer leicht zu erfassenden Sprache geschrieben und so wird man während der Lektüre - wenn überhaupt - nur durch die Perspektivwechsel aus seinem Lesefluss gerissen. Viele Szenen und Rückblicke erscheinen auf den ersten Blick belanglos und bekommen erst ihre Bedeutung, wenn man am Ende des Buches die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Ereignissen vor sich sieht. So erfordert dieser Roman vom Leser auch die Bereitschaft, sich auf die langsame Entwicklung der Freundschaft zwischen Charlie und Vera und die ausführlichen Beschreibungen von Veras Familienleben und Alltag einzulassen.

Das alles macht es nicht einfach, die Charaktere ins Herz zu schließen. Charlie ist ein Junge, der trotz eines gestörten Familienlebens etwas aus sich hätte machen können, wenn er sich an Vera und ihre Freundschaft gehalten hätte. Und Vera - die nach Charlies Tod häufig sehr sarkastisch wirkt - ist eigentlich ein vernünftiges und selbstbewusstes Mädchen, auch wenn sie während ihres bisherigen Lebens immer nur versucht hat, nicht aufzufallen, auf gar keinen Fall anzuecken oder gar den Unmut ihres Umfeldes zu erregen (hier kommt der Originaltitel "Please Ignore Vera Dietz" zum Tragen). Dabei übt ihr Vater, der am liebsten jeden Bereich ihres Lebens kontrollieren würde, keinen geringen Einfluss auf Vera aus und manipuliert sie immer wieder in die Richtung, in der seiner Meinung nach ein "vernünftiger" Mensch gehen sollte.

Erst nach und nach enthüllt A. S. King die Hintergründe zum Verhalten dieser Personen und lässt sie so realer werden. Ob allerdings einem jugendlichen Leser bewusst wird, dass die ganze Geschichte nicht mit der Passivität von Veras Eltern beginnt, sondern schon in der Kindheit dieser beiden Figuren, darf bezweifelt werden, doch das ändert nichts an der Grundaussage des Romans. Die Autorin zeigt - ohne dabei die große Moralkeule zu schwingen -, wie wichtig es ist, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und sich nicht nur um die eigenen Belange zu kümmern. Es wird aber auch deutlich, wie schwierig es oft ist, wenn man auf Missstände aufmerksam machen will und dabei über seinen eigenen Schatten springen muss.

So dreht sich die Handlung von "Please don't hate me" weniger darum herauszufinden, was an dem Tag von Charlies Tod geschah, als um die Frage, was für ein Mensch man eigentlich sein will. Denn Vera muss sich (um ihr Vorhaben zu erfüllen, nicht so zu werden wie ihre Eltern), damit auseinandersetzen, dass auch sie Schuld an den Geschehnissen hat und dass sie es nicht anderen überlassen darf einzuschreiten, wenn Unrecht geschieht. Das alles macht "Please don't hate me" zu einem leisen und nachdenklichen Roman über Erwachsenwerden, Freundschaft und Liebe, der - trotz ein paar Längen und Wiederholungen - langfristig einen nachhaltigen Eindruck im Leser hinterlässt.

Fazit:

Mit "Please don't hate me" präsentiert A. S. King einen Roman, der sich weniger mit der Frage beschäftigt, wie Veras Freund Charlie zu Tode gekommen ist, als mit der jahrelangen Entwicklung, durch die Charlie überhaupt in diese Situation gekommen ist. Doch vor allem verfolgt der Leser, wie Vera mit dem Verlust ihres besten Freundes umgeht und damit, dass auch sie eine Teilschuld trägt. So erzählt die Autorin vor allem aus Veras Perspektive vom Erwachsenwerden ihrer Hauptfigur, von ihrem Umgang mit der Trauer und von den Fehlern, die das Mädchen während dieser Entwicklungsmonate macht. Dabei entstehen durch scheinbar belanglose Szenen ein paar Längen in der Handlung, über die einen aber die leicht zu lesende Schreibweise hinwegträgt. "Please don't hate me" ist eine berührende Geschichte, die noch eine Weile im Leser nachklingen wird.
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