Banner bookdepository.com

Die Gentlemen bitten zur Kasse (Hörspiel)  Drucken E-Mail
Hörbücher: Unterhaltung Filmhörspiele
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 20. Mai 2011

Die Gentlemen bitten zur Kasse

Art der Lesung: Hörspiel
Medienanzahl: 3 CDs

Untergenre: Kriminalgeschichte
Erschienen: Januar 2011
ISBN: 978-3-86231-016-6
Preis: 19,99 EUR
Inhalt
6.0
Sprecher
7.0
Bearbeitung
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.4

Wertung:
6.4
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Es war der spektakulärste Postraub der britischen Kriminalgeschichte. Europa hielt den Atem an, als eine maskierte Gangsterbande Anfang der 60er Jahre beim Überfall auf einen englischen Postzug 2,5 Millionen Pfund erbeutete. Von Drahtziehern und Diebesgut fehlte jahrzehntelang jede Spur. Nicht nur der listige Plan, sondern vor allem der ausgeprägt galante Stil des Überfalls machte die Gangstergeschichte zum Kult. Die erste Verfilmung des Coups von 1966 brachte das Gentlemen-Flair in Millionen deutscher Wohnzimmer.

Meinung:

"Der große Postzugraub" hat im August 1963 die Gemüter in ganz Europa erhitzt und die Fantasie eines jeden Krimiliebhabers angeheizt. Nie zuvor wurde mit solcher Kaltblütigkeit und so wenig Gewalt eine so große Summe Geld geraubt. Im Januar 1966 fesselte eine dreiteilige dokumentarische Verfilmung des Geschehens die deutschen Fernsehzuschauer an ihr heimisches Sofa. In dieser Verfilmung wurde jedes Detail des Raubes - soweit es in den Verhandlungen gegen die gefassten Verbrecher bekannt wurde - verarbeitet.

Dabei basierte das Drehbuch auf dem im "Stern" veröffentlichten Bericht von Henry Kolarz, wobei die Namen der beteiligten Räuber für den Film geändert wurden. Der Audio-Verlag hat nun die Tonspur dieses Dreiteilers von 1966 übernommen und daraus ein Filmhörspiel gemacht. Für diesen Zweck wurde - zusätzlich zum bereits vorhandenen Kommentator der Filmfassung - ein weiterer Erzähler eingefügt, um dem Zuhörer die eine oder andere Szene zu beschreiben, die sich nicht aus den Dialogen erschließen lässt, aber für das Verständnis der Handlung wichtig ist.

Der Hörer kann detailliert mitverfolgen, wie "Die Gentlemen", eine Gruppe von Verbrechern, nach einem Tipp den Überfall ausarbeiten. Sie wissen nun, dass regelmäßig mit dem Königlichen Postzug Gelder von Schottland nach England gebracht werden - und für einen Gewinn von über 2,5 Millionen Pfund ist das Risiko bei diesem Überfall recht gering. So plant Michael Donegan (Horst Tappert), genannt der "Major", den gesamten Raub bis ins letzte Detail. Gemeinsam mit den anderen Gentlemen, zu denen auch der Friseurladenbesitzer Archibald Arrow (Günther Neutze) gehört, schafft der Major Geld herbei, um den Überfall zu finanzieren, und engagiert "Fachleute" für spezielle Aufgaben bei der Aktion.

Dabei ist es faszinierend mitzuerleben, wie sich der Plan von der ersten Idee bis zur letztlichen Durchführung entwickelt - und schnell bekommt der Hörer eine Ahnung von den Spannungen innerhalb der Gruppe der "Gentlemen". Während es Michael Donegan wichtig ist, jeden Schritt der Vorbereitungen zu kontrollieren und nur Leute in den Plan einzuweihen, die absolut vertrauenswürdig sind, sind seine Kollegen da deutlich sorgloser. So wächst die Gruppe der Mitwisser immer weiter an, da für einen solchen Überfall mehr Personen gebraucht werden, als die Gentlemen normalerweise für ihre Raubzüge einsetzen müssen.

Die dokumentarische Präsentation ist bei dieser Hörspiel-Produktion gleichzeitig die größte Stärke und die größte Schwäche. So fesselnd die Planung zu verfolgen ist, so schön es ist, alle Details mitzubekommen und zu hören, wie nach und nach der Zusammenhalt der Gruppe zerbricht, so altbacken klingen die Dialoge und die Erzählweise. Durch sie regt so manches Gespräch eher zum Schmunzeln an, weil die "harte" Ausdrucksweise der Gentlemen zu gewollt wirkt oder die zwischenmenschlichen Szenen heutzutage weniger überzeugen können.

Während diese altmodischen Elemente noch charmant wirken, erinnern einen die Momente, in denen Filmszenen erzählt werden, unangenehm an eine Tonspur für Sehbehinderte bei Fernsehfilmen. Vor allem die Phase nach dem Raubüberfall, in der die Verbrecher sich uneinig darüber sind, wie das Geld nun verwaltet werden soll, bietet so manche Passage, in der dem Hörer beschrieben wird, wie die Männer sich an Bierflaschen festhalten und allerhand Dummheiten begehen. Obwohl dieses unkontrollierte Verhalten der Polizei überhaupt erst einen Angriffspunkt gegeben hat und somit für die Handlung wichtig ist, sind solche Beschreibungen für den Hörspielhörer eher wenig unterhaltsam. Es besteht eben doch ein deutlicher Unterschied zwischen dem Zeigen von Handlungen in einem Film und der trockenen Beschreibung dieser Szenen bei einem Hörspiel.

Fazit:

Mit der Umsetzung von "Die Gentlemen bitten zur Kasse" als Filmhörspiel hat der Audio-Verlag ein interessantes, wenn auch leider nicht vollkommen fesselndes Experiment gewagt. So faszinierend es für den Hörer ist, die detaillierte Planung des berühmten Raubüberfalls auf den königlichen Postzug im Jahre 1963 mitzuverfolgen, gibt es doch einige Passagen, die eher unterinteressant gestaltet wurden. Während die - für heutige Zeit - altmodischen Ausdrucks- und Sichtweisen der Figuren eher charmant wirken, können die Passagen, in denen Filmszenen dem Hörer durch einen Erzähler vermittelt werden, nicht überzeugen. Hier wird nur zu deutlich, dass man einen Film nicht 1:1 als Hörspiel umsetzen kann, ohne dabei an Qualität zu verlieren.
Weiterführende Infos

Hörprobe:

 
Copyright © 2008-2016 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.