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Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 1  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Comics: Manga Liebe & Romantik
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 4. Mai 2011

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß 1

Zeichner: Jiro Taniguchi

Originaltitel: Sensei no kaban
Übersetzt von: John Schmitt-Weigand

1. Band der Reihe

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Februar 2011
ISBN: 978-3-551-75447-9
Preis: 14,90 EUR

208 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
8.3

Wertung:
8.3
von 10
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Zum Inhalt:

Zur Liebe, glaubt sie, sei sie nicht begabt. Tsukiko, Ende dreißig, Angestellte, Single, führt ein unaufgeregtes Leben. Ihre Freizeit verbringt sie mit einem Buch zuhause oder sie geht zum Essen und Trinken in ihr Stammlokal. Dort begegnet sie eines Abends ihrem alten Japanischlehrer. Auch er ist alleinstehend. Von da an sitzen die beiden des Öfteren bei Sake und Lotuswurzel gemeinsam am Tresen. Zunächst sind die Treffen rein zufällig; keiner der beiden legt sich auf eine Verabredung fest. Ganz langsam entspinnt sich eine Zuneigung zwischen den eher spröden Charakteren - der Beginn einer zarten und ungewöhnlichen Liebesgeschichte.

Meinung:

Mit dem ersten Band von "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" präsentiert der Carlsen-Verlag den Auftakt von Jiro Taniguchis zweiteiliger Umsetzung des gleichnamigen Romans der Autorin Hiromi Kawakami. In detailreichen und wunderbar atmosphärischen Bildern kann der Leser die Geschichte von Tsukiko Omachi und ihrem ehemaligen Lehrer Harutsuna Matsumoto (von ihr nur "der Sensei" genannt) verfolgen. Beide verbringen einen Großteil ihrer Abende in einem kleinen Lokal, wo sie traditionelle japanische Gerichte genießen und Sake trinken. Dabei suchen sie keine Gesellschaft, wollen keine Gespräche führen, sondern nur den Abend nicht allein zu Hause verbringen.

Trotzdem beginnen Tsukiko und ihr Sensei eines Tages eine Unterhaltung, als sie zufällig nebeneinander an der Theke sitzen. Ihre gemeinsame Vorliebe für Essen und Trinken und ihre Neigung, von anderen Menschen Abstand zu halten, verbindet die beiden. Ohne dass sie sich dafür verabreden, folgen auf diesen gemeinsamen Abend weitere, an denen sie nebeneinander an der Theke des Lokals sitzen, über Essen reden oder einfach miteinander schweigen. Und auch wenn Tsukiko in den folgenden Monaten ihren Sensei an manchen Abenden nach Hause begleitet, um dort noch eine weitere Runde Sake zu trinken, besteht zwischen den beiden Charakteren weiterhin ein fühlbarer Abstand.

Für den Leser entfaltet sich so eine leise und bittersüße Geschichte von zwei einsamen Menschen, denen es schwer fällt, jemanden zu finden, in dessen Gesellschaft sie sich wohlfühlen können. Während der Sensei mit seinen fast siebzig Jahren ein eher altmodischer Mann mit festen Vorstellungen und Prinzipien ist, der durch seinen Ruhestand und den Verlust seiner Frau vereinsamt, hatte Tsukiko schon von klein auf das Gefühl, dass sie mit Menschen nicht umgehen kann, und deshalb bewusst die Einsamkeit gesucht. Dabei ist Tsukiko nicht glücklich mit ihrer selbst gewählten Einsamkeit, sondern fühlt sich oft verloren oder gar so hilflos wie ein Kind.

Umso schöner ist es, die langsame Annäherung zwischen der Frau und ihrem ehemaligen Lehrer zu beobachten und zu sehen, wie sie das Leben des jeweils anderen bereichern. Gemeinsam unternehmen sie kleine Ausflüge und während Tsukiko beinahe väterlichen Halt in der Gesellschaft ihres Sensei findet, kann er die Dinge, die für ihn wichtig sind, endlich wieder mit einem Menschen teilen. Dabei bleibt ihre langsam aufkeimende Freundschaft über all die Monate nicht ungetrübt und so kommt es auch zu Streit und Versöhnung.

Ebenso fein und berührend wie die Handlung sind auch die Zeichnungen von Jiro Taniguchi gehalten. Neben der ausdrucksvollen Mimik und Gestik der verschiedenen Figuren und der wunderbar melancholischen Atmosphäre bestechen vor allem die detaillierten Darstellungen des Zeichners. Durch seine Bilder, in deren Kleinteiligkeit sich der Betrachter regelrecht verliert, kann man ungemein viel über den japanischen Alltag und die japanische Vergangenheit lernen. So wird der erste Band von "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" durch die gelungene Kombination einer sensibel erzählten Geschichte und wunderbar stimmungsvollen Zeichnungen zu einem beeindruckenden Leseerlebnis.

Fazit:

Mit dem ersten Teil der zweibändigen Graphic Novel "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" bietet der Carlsen-Verlag eine atmosphärische und eindrucksvolle Umsetzung von Hiromi Kawakamis gleichnamigem Roman. Die leise Geschichte zweier Menschen, die - trotz ihres Altersunterschieds von fast drei Jahrzehnten - die Gesellschaft des anderen genießen und so eine Flucht aus ihrer Einsamkeit finden, ist sehr berührend. Dabei tragen die wunderbar detaillierten Zeichnungen von Jiro Taniguchi deutlich zur bittersüßen Atmosphäre der Geschichte bei und bringen dem Leser zusätzlich noch den japanischen Alltag näher.
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