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Nausicaä aus dem Tal der Winde 2  Drucken E-Mail
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. Mai 2011

Nausicaä aus dem Tal der Winde 2

Zeichner: Hayao Miyazaki

Originaltitel: Kaze no tani no Nausicaä Vol. 2
2. Band der Reihe

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-3-551-74172-1
Preis: 12,00 EUR

128 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Die Städte der gigantischen Industriezivilisation von einst sind im Dunkel der Geschichte verschwunden. Die Erde ist überzogen vom Meer der Fäulnis, einem Wald aus Riesenpilzen, die giftiges Miasma ausspeien. Auf dem wenigen unverseuchten Land, das noch übrig ist, leben die Menschen in verstreut liegenden Königreichen. Das Tal der Winde ist ein sehr kleines Land direkt am Meer der Fäulnis. Prinzessin Nausicaä kämpft hier mit ihrem Volk ums Überleben ...

Meinung:

Schon im ersten Band von "Nausicaä aus dem Tal der Winde" zeigte Hayao Miyazaki, wie schwierig das Leben für die Menschen in einer Welt ist, die von dem Meer der Fäulnis beherrscht wird. Dieser Pilzwald bedeckt den größten Teil der Landmasse und die Sporen, die er ausstößt, sind für jedes Lebewesen außer den Insekten, die dort leben, innerhalb kürzester Zeit tödlich. So kämpfen die Menschen jeden Tag darum, das wenige fruchtbare Land von den Sporen der Pilze frei zu halten und genügend Nahrung anzubauen, um zu überleben.

Trotzdem müssen die kleinen Grenzländer regelmäßig mit ihren Gunships in den Krieg ziehen, um ihre Verträge mit König Wu aus Torumekia einzuhalten. Auch Nausicaä sieht sich anstelle ihres kranken Vaters gezwungen, die Männer aus dem Tal der Winde in die Schlacht zu führen. Dabei versteht die junge Frau weder, warum Menschen überhaupt gegeneinander in den Krieg ziehen, noch kann sie einem König vertrauen, der seine Truppen (unter der Führung von Prinzessin Kushana) ein mit Frauen und Kindern besetztes Flüchtlingsschiff aus dem bislang befreundeten Pejite angreifen lässt.

Kaum schließen sich Nausicaä und ihre Männer mit ihrem Gunship den Kämpfern unter dem Kommando von Prinzessin Kushana an, werden die Schlachtschiffe von Prinz Asbel von Pejite angegriffen. Der junge Mann will sich für die Vernichtung seines Landes und die Ermordung seines Volkes rächen, doch Nausicaä erträgt nicht, dass bei diesen Attacken unschuldige Menschen ums Leben kommen, und greift daher ein. So rettet die ungewöhnliche Prinzessin aus dem Tal der Winde nicht nur das Leben ihrer Mitstreiter, sondern kann dem Prinzen aus Pejite auch den Stein übergeben, den ihr seine Schwester Lastelle vor ihrem Tod anvertraut hatte.

Kurz darauf kommt es zu einem Kontakt mit den gegnerischen Doruk, die auch nicht davor zurückscheuen, die gewaltigen Ohmu (riesige Insekten, die den Doruk eigentlich heilig sind) als Waffe zu benutzen. Aber so erschütternd die Mittel der Doruk sind, so schnell wird Nausicaä auch bewusst, dass auch dieses Volk nicht freiwillig in den Krieg zieht, sondern um sein Überleben kämpft. Und während die ersten Schlachten zwischen Doruk und Torumekia stattfinden, intrigieren die vier Kinder König Wus gegeneinander um die Macht im Reich.

Hayao Miyazaki zeigt deutlich, dass es selbst in einer so zerstörten und lebensfeindlichen Welt den Menschen anscheinend nicht möglich ist zusammenzuarbeiten, um gemeinsam eine sichere Existenz aufzubauen. Obwohl allgemein bekannt ist, welche Ursachen zur Vernichtung der früheren Zivilisationen geführt haben, gieren die Könige dieser Zeit nach Macht - ohne sich dabei darum zu kümmern, welche Folgen dies für die Menschen in ihrem Einflussgebiet haben wird. Dabei ist zum Beispiel Prinzessin Kushana - das einzige Mitglied der Königsfamilie, das der Leser bislang kennengelernt hat - nicht gefühllos gegenüber ihren Soldaten.

Wenn ihnen etwas zustößt, trauert sie um die verlorenen Leben, so weit ihr dies als Kommandeurin möglich ist, und ihre Männer sind Kushana aus Überzeugung treu ergeben und würden sich für sie auch gegen die Befehle des Königs stellen. Im Vergleich dazu wirkt Nausicaä manchmal etwas naiv, aber dafür sind ihre Geradlinigkeit und ihre Überzeugungen der notwendige Kontrast zu den eher berechnenden Persönlichkeiten. Mit ihrer besonderen Verbindung zu den Ohmus, ihren regelmäßigen Rettungsversuchen und ihrem Wissen über das Meer der Fäulnis, den Wind und das Fliegen müsste sie eigentlich zu gut sein, um dem Leser sympathisch zu sein.

Doch auch Nausicaä hat ihre dunkle Seite, die zum Ausdruck kommt, wenn sie in Wut gerät oder zum Kampf herausgefordert wird. Dann ist sie in der Lage, ebenso erbarmungslos zu töten wie ein jagendes Tier. So deutet sich nach gerade mal zwei von sieben Bänden schon an, wie komplex Hayao Miyazaki die Figuren und die Handlung von "Nausicaä aus dem Tal der Winde" konzipiert hat. Auf diese Weise regt der Mangaka den Leser mit seiner Geschichte nicht nur zum Nachdenken an, sondern wirft auch einige Fragen auf, die neugierig auf die weiteren Entwicklungen seiner Charaktere machen.

Fazit:

Da Hayao Miyazaki seine Geschichte rund um "Nausicaä aus dem Tal der Winde" unglaublich komplex gestaltet hat, gibt es auch im zweiten Band der Serie viele Facetten an den verschiedenen Figuren kennenzulernen. Der Mangaka regt den Leser mit den von ihm dargestellten Intrigen, Kämpfen und Umweltbedingungen zum intensiven Nachdenken über die Natur des Menschen an - und unterhält ihn doch ganz wunderbar mit seiner fesselnden Geschichte. Die Vielschichtigkeit der Charaktere sorgt ebenso wie die vielen offenen Fragen in der Handlung dafür, dass man es kaum erwarten kann, den nächsten Band in den Händen zu halten.
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