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Nausicaä aus dem Tal der Winde 1  Drucken E-Mail
Comics: Manga Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 23. April 2011

Nausicaä aus dem Tal der Winde 1

Zeichner: Hayao Miyazaki

Originaltitel: Kaze no tani no Nausicaä Vol. 1
1. Band der Reihe

Verlag: Carlsen Manga
Format: Taschenbuch
Erschienen: September 2010
ISBN: 978-3-551-74171-4
Preis: 12,00 EUR

132 Seiten
Inhalt
8.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Die Städte der gigantischen Industriezivilisation von einst sind im Dunkel der Geschichte verschwunden. Die Erde ist überzogen vom Meer der Fäulnis, einem Wald aus Riesenpilzen, die giftiges Miasma ausspeien. Auf dem wenigen unverseuchten Land, das noch übrig geblieben ist, leben die Menschen in verstreut liegenden Königreichen. Das Tal der Winde ist ein sehr kleines Land direkt am Rand des Meers der Fäulnis. Prinzessin Nausicaä kämpft hier mit ihrem Volk ums Überleben ...

Meinung:

Mit dem Auftaktband der siebenteiligen Reihe "Nausicaä" führt Hayao Miyazaki (Mitbegründer des "Studio Ghibli", welches u. a. durch die Filme "Prinzessin Mononoke" und "Chihiros Reise ins Zauberland" bekannt geworden ist) den Leser in eine Welt, in der das Leben von dem sich immer weiter ausbreitenden "Meer der Fäulnis" beherrscht wird. In dieser Welt ist die Zeit der großen Industrienationen vorbei, denn seit dem Krieg der "Sieben Tage des Feuers" gibt es keine hochentwickelten Technologien mehr, während ein Großteil der Erdoberfläche unfruchtbar und unbewohnbar geworden ist. So ist schon das alltägliche Leben für die Menschen eine Herausforderung und doch führt König Wu regelmäßig Krieg gegen das Nachbarreich.

Auch das Tal der Winde, in dem Nausicaä lebt, ist von dem Kriegstreiben des Königs betroffen, denn als Anführer eines verbündeten Lands ist der Häuptling verpflichtet, seine Truppen - und vor allem sein Gunship - zur Verfügung zu stellen. Das Tal der Winde ist ein kleines Land mit gerade mal 500 Einwohnern und am Rande des Meers der Fäulnis ist das Leben für die Bewohner schon schwierig genug. Vor allem Nausicaä sieht die Notwendigkeit eines Krieges nicht ein, auch wenn sie als Tochter und Nachfolgerin des Häuptlings dieses Mal diejenige ist, die ihre Männer anführen wird.

Dabei würde das Mädchen viel lieber bei seinem Volk bleiben und regelmäßig Zeit mit der Erforschung des unheimlichen und tödlichen Pilzwaldes verbringen. Dieser bedeckt nämlich nicht nur einen Großteil des Landes, sondern die von dem Meer der Fäulnis ausgehenden Sporen bedrohen auch die wenigen Felder, die die Menschen noch bebauen können. Doch Nausicaä, die eine besonders enge Verbindung zu dem Pilzwald und seinen Bewohnern hat, ist sich sicher, dass das Meer der Fäulnis nicht nur ein Fluch für die Welt ist.

Schnell macht Hayao Miyazaki dem Leser deutlich, dass die Menschen nach einer allumfassenden Zerstörung vor tausend Jahren immer noch nicht gelernt haben, ihre Umwelt und das Leben anderer zu achten. Obwohl das Tal der Winde und das benachbarte Land Pejite mit dem König verbündet sind, brechen die Königstruppen unter der Führung von Prinzessin Kushana auf der Suche nach einem besonderen Artefakt die bestehenden Vereinbarungen. Doch das ist nur ein winziges Scharmützel am Rande des herrschenden Krieges.

Schon dieser erste Einblick in Nausicaäs Welt lässt den Leser über das Verhalten der Menschen, die Ausbeutung der Natur und die Vernichtung von wertvollem Lebensraum aufgrund von Profitgier nachdenken. Dabei hebt der Mangaka nicht plakativ den mahnenden Zeigefinger, sondern lässt den Leser nachvollziehen, wie das Leben für Nausicaä und ihr Volk ist. Ohne groß anzuklagen stellt Hayao Miyazaki die Frage in den Raum, ob der Mensch mit all seiner Zerstörungskraft in einer solchen Welt seinen Platz nicht verspielt hat - nur um dann am Beispiel von Nausicaä und ihrem Lehrer Meister Yupa zu zeigen, dass der Mensch auch zu Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Fürsorge fähig ist.

Dieser Kontrast zwischen den besten und den schlechtesten Eigenschaften der Menschen, gepaart mit einer unglaublich feindlichen Welt, übt einen ganz besonderen Reiz auf den Leser aus. So liefert dieser erste "Nausicaä"-Band viel Stoff zum Nachdenken über diverse ethische Fragen und macht auf die verschiedenen Charaktere und ihre Beweggründe neugierig. Doch vor allem hat Hayao Miyazaki mit Nausicaä eine Hauptfigur geschaffen, die zwar an sich gut ist und nur zum Besten aller handeln will, sich aber auch bewusst ist, dass in ihr eine unkontrollierbare Zerstörungskraft schlummert.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ist "Nausicaä" für den Leser ein Genuss: In dem großen Format kommen die Zeichnungen von Hayao Miyazaki richtig zur Geltung, während die braune Druckfarbe eine angenehme Abwechslung zu den üblichen schwarzen Linien bildet. Die durch die gedämpfte Farbe entstandene Weichheit scheint die Endzeitatmosphäre der Geschichte noch zu betonen. Auch wenn Hayao Miyazakis Zeichenstil heutzutage etwas altmodisch wirkt - was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass er diese Geschichte vor fast dreißig Jahren begonnen hat -, ändert das nichts an ihrer Ausdruckskraft. Ergänzt wird dieser Band noch durch eine ausklappbare farbige Karte, die das Meer der Fäulnis und die angrenzenden Gebiete zeigt und auf deren Rückseite eine farbige Abbildung von Nausicaä zu sehen ist.

Fazit:

Fast dreißig Jahre nachdem Hayao Miyazaki mit der Reihe "Nausicaä aus dem Tal der Winde" begonnen hat, scheint das Grundthema dieses Manga aktueller denn je zu sein. So regt die Geschichte, die im ersten "Nausicaä"-Band ihren Anfang nimmt, den Leser zum Nachdenken über den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt an. Dabei stellt Hayao Miyazaki nicht diese ethische Botschaft in den Vordergrund seiner Handlung, sondern lässt den Leser einfach miterleben, wie das Leben für Nausicaä und ihr Volk in einer so lebensfeindlichen Umgebung aussieht. Neben den moralischen Fragen, die dieser Band aufwirft, wecken die vielen verschiedenen Charaktere und ihre möglichen Beweggründe die Neugier des Lesers auf die weitere Entwicklung der Geschichte, während er die ausdrucksstarken Zeichnungen genießt.
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