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Staub im Paradies  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 27. Februar 2011

Staub im Paradies

Reihe: Fred Staub
4. Band der Reihe

Verlag: Grafit
Erschienen: März 2009
ISBN: 978-3-89425-357-8
Preis: 8,50 EUR

222 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Fred Staub, Kommandant bei der Zürcher Kantonspolizei, verbringt seinen Urlaub in Sri Lanka bei seiner Tochter Anna, die dort in einem internationalen Forschungsprojekt arbeitet. Als jedoch einer der Schweizer Wissenschaftler vor Staubs Augen aus dem Hinterhalt erschossen wird, beginnt er gemeinsam mit dem sri-lankischen Polizisten Verasinghe, die Hintergründe der Tat zu ermitteln. Dann ereilt ihn von seinen Schweizer Kollegen auch noch die Bitte, sich im familiären Umfeld eines in Zürich ermordeten Tamilen umzusehen. Die Liste derer, die sich Staub weit weg wünschen, wird immer länger ...

Meinung:

Bei vielen Büchern von schweizerischen Autoren hat der deutsche Leser nicht das Gefühl, eine Geschichte zu erleben, die außerhalb seiner eigenen Landesgrenzen spielt. Doch Ernst Solèr gelingt es mit "Staub im Paradies" bei den Szenen, die in der Schweiz stattfinden, den Blick für die kleinen Unterschiede zwischen den Ländern zu öffnen. Dieser vierte Roman der "Staub"-Reihe wird leider der letzte bleiben, da Ernst Solèr schon vor der Veröffentlichung dieses Buches verstorben ist. So scheint es erschreckend passend zu sein, dass auch Fred Staub am Ende der Geschichte nicht weiß, wie es mit ihm und seiner Arbeit bei der Zürcher Kantonspolizei weitergehen soll.

Aber erst einmal befindet sich Staub gemeinsam mit seiner Familie im Urlaub. Obwohl Sri Lanka nicht gerade sein Traumziel ist, da er Länder mit weniger Hitze und Insekten bevorzugen würde, hat sich der Polizist auf den Weg gemacht, um seine Tochter zu besuchen. Anna lebt schon länger auf Sri Lanka, da sie dort an einem internationalen Forschungsprojekt mitarbeitet. Die junge Frau hat sich nicht nur gut eingewöhnt, sondern inzwischen auch in dem einheimischen Doktor Tschaggat einen neuen Freund gefunden.

Kurz nach seiner Ankunft auf der Insel muss Staub mitansehen, wie ein Kollege seiner Tochter getötet wird. Der schweizerische Wissenschaftler Rainer Schütz war mit dem Auto auf dem Rückweg zur Station, als dieses beschossen wurde. Während das Militär schnell der Meinung ist, dass tamilische Rebellen hinter diesem Anschlag stecken, vermuten Fred Staub und der einheimische Polizist Verasinghe persönliche Hintergründe bei dieser Tat.

Zeitgleich müssen sich auch Staubs Kollegen in der Schweiz mit einem Mord beschäftigen. Ein Tamile, der lange Zeit nicht identifiziert werden kann, wird erstochen hinter einem kleinen Szenekino aufgefunden. Obwohl die Polizisten alles versuchen, um Informationen von der tamilische Gemeinde in Zürich zu bekommen, scheitern sie am Misstrauen der Einwanderer. Und selbst als sie erste Hinweise erhalten, scheinen diese die Hintergründe der Tat nur noch rätselhafter zu machen. Immerhin haben sie mit Fred Staub jemanden, der in der Heimat des Toten Nachforschungen anstellen kann.

Ernst Solèr beweist bei der Gestaltung seiner Figuren ein wunderbares Händchen für Charaktere. Schnell schließt der Leser den etwas sperrigen Staub und seine ungewöhnliche Familie in sein Herz, teilt die Leidenschaft der Polizistin Gret für ihren Beruf und fühlt mit Verasinghe mit, der aufgrund politischer Konstellationen keine sorgfältige Ermittlung durchführen darf. Oft reicht schon eine kleine Szene, um eine konkrete Vorstellung von einer Person zu bekommen, und so verliert man auch bei der Masse der Figuren nie den Überblick.

Auch wird deutlich, dass der Autor in den vier Monaten, die er in Sri Lanka lebte, eine tiefe Liebe zu dem Land und seinen Bewohnern entwickelte. Trotz der politischen Situation, der Hitze und der Insekten, die Fred Staub das Leben schwer machen, strotzt dieses Buch vor detaillierten Beschreibungen, die in einem den Wunsch wecken, selbst einmal die Gastfreundschaft und die überwältigenden Landschaften Sri Lankas erleben zu dürfen.

Doch bei all den liebevollen Details, den schön gezeichneten Charakteren und der leichten und humorvollen Schreibweise geht der Krimianteil in dieser Geschichte ein wenig unter. In der Schweiz fehlt den Polizisten der Zugang zur tamilischen Gemeinde und auch in Sri Lanka ist Staub auf die Zusammenarbeit mit dem Polizisten Verasinghe angewiesen. Diese Ahnungslosigkeit bezüglich der Hintergründe sorgt bei beiden Fällen dafür, dass der Leser ebenso wie die Ermittler in der Luft hängt. Und so erscheinen auch all die überraschenden Wendungen am Ende der Geschichte weniger spannend als vielmehr an den Haaren herbeigezogen. Dadurch bekommt der Leser mit "Staub im Paradies" zwar einen unterhaltsamen und amüsanten Roman, der Interesse für Sri Lanka und seine Menschen weckt, aber keine fundierte Kriminalgeschichte, die einen wirklich mitreißen kann.

Fazit:

Mit "Staub im Paradies", dem vierten Roman rund um den ungewöhnlichen Polizisten Fred Staub, entführt Ernst Solèr den Leser nach Sri Lanka. Dort will der Kommandant der Zürcher Kantonspolizei eigentlich nur Urlaub machen, als vor seinen Augen ein schweizerischer Wissenschaftler erschossen wird. Auch der Mord, mit dem sich seine Kollegen in Zürich beschäftigen, weist eine Verbindung nach Sri Lanka auf - und so darf sich Staub gleich über zwei Fälle seine Gedanken machen. Doch bei all den atmosphärischen und liebevollen Beschreibungen des Inselstaates und bei all den detaillierten Charakterisierungen geht der Krimianteil in der Geschichte leider unter. Dies macht sich vor allem bei der überraschenden Auflösung bemerkbar, die für den Leser zu einem etwas unbefriedigenden Ende der Geschichte führt. Davon einmal abgesehen, öffnet dem Leser dieser Roman jedoch die Augen für das ferne Sri Lanka und bietet amüsante Lesestunden.
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