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Hexengift  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 20. Februar 2011

Hexengift

Originaltitel: Poison Sleep
Übersetzt von: Michael Pfingstl

Reihe: Marla Mason
2. Band der Reihe

Verlag: Blanvalet
Erschienen: April 2010
ISBN: 978-3-442-26690-6
Preis: 8,95 EUR

416 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Hexen sind mächtig, leicht reizbar und nachtragend. All das gilt auch für Marla Mason. Doch als eine psychisch gestörte - um nicht zu sagen: völlig wahnsinnige - Hexe nach fünfzehn Jahren im Koma aus dem staatlichen Gewahrsam entflieht, ist Marla die Einzige, die sie aufhalten kann. Es ist, als würde man Feuer mit Feuer bekämpfen. Doch Marla Mason hat noch ein ganz anderes Problem: Irgendjemand hat einen übernatürlichen Killer auf sie angesetzt - und der ist ihr bereits verdammt dicht auf den Fersen ...

Meinung:

Nachdem es Marla Mason in "Hexenzorn", dem ersten Band der Reihe rund um die aufbrausende Hexe, nach San Francisco verschlagen hatte, erlebt der Leser sie in "Hexengift" nun in ihrer vertrauten Umgebung. Marla Mason ist in Felport aufgewachsen, sie liebt diese dreckige Stadt an der Küste und für sie ist es Ehrensache, dass sie als Oberhaupt der magischen "Gemeinde" für die Sicherheit der Stadt verantwortlich ist. Doch das ist nicht so einfach, wenn eine Hexe mit unberechenbaren Kräften aus der örtlichen "Psychiatrie für magisch Begabte" flieht.

Aber die flüchtige Genevieve ist nicht Marlas einziges Problem. Nachdem ihre Widersacherin Susan nach San Francisco gezogen ist, streiten sich die Mächtigen der Stadt um die verbleibenden Habseligkeiten der Magierin. Und es ist Marlas Aufgabe, für eine gerechte Verteilung der Besitztümer zu sorgen, was bei all den Ansprüchen der anderen gar nicht so einfach ist. Außerdem ist ein magisch begabter Mann neu in der Stadt aufgetaucht, den die Hexe für ihre Organisation gewinnen will. Denn Joshua könnte - dank seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten - bei den anstehenden Verhandlungen dafür sorgen, dass sich die Magier der Stadt nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Bei all den dringlichen Angelegenheiten, mit denen Marla sich herumschlagen darf, scheint es fast nebensächlich, dass eine Gruppe Zeitattentäter in Felport auf der Suche nach einem abtrünnigen Mitglied ist.

Nach dem ersten Roman, in dem sich Marla auf unvertrautem Gebiet beweisen musste, ist es schön, die Hexe in ihrem heimischen Umfeld zu erleben. Der Leser lernt die Protagonistin deutlich besser kennen, kann verfolgen, wie sie lebt und arbeitet, und auf jeder Seite wird spürbar, wie sehr sie sich ihrer Stadt Felport verbunden fühlt. Doch so angenehm die atmosphärischen Schilderungen der Stadt sind, fällt doch schnell auf, dass der Roman "Hexengift" - ebenso wie "Hexenzorn" - nicht mit einer stringenten Handlung aufwarten kann. Dafür bietet T. A. Pratt eine Anhäufung amüsanter Szenen, die den Leser durchaus zu unterhalten wissen.

Marla, die es bis zum magischen Oberhaupt von Felport gebracht hat, reagiert jedes Mal impulsiv auf die verschiedenen Probleme - was zwar hier und da lustig zu lesen, aber letztlich etwas unbefriedigend für den Leser ist. Dabei ist die Grundstimmung in "Hexegift" von einer reizvollen Härte. T. A. Pratt schreibt actionreiche Urban Fantasy ohne jegliche romantische Note. Marla und ihre Verbündeten (ebenso wie ihre Gegner) erinnern eher an eine mafiöse Organisation und gehen mit der gleichen Skrupellosigkeit zu Werke, wenn es um ihre Interessen geht. Dabei ist die Hexe nicht bar jeden Mitleids, wie sie in diesem Roman immer wieder unter Beweis stellt. Diese "menschlichen" Momente sind es auch, die dafür sorgen, dass Marla dem Leser in ihrer Besessenheit für Felport und die eigene Sache nicht unsympathisch wird.

Doch insgesamt vermisst man bei T. A. Pratt immer wieder einen intensiveren und tiefergehenden Umgang mit seinen Ideen. Während der Autor ein Feuerwerk aus seltsamen magischen Ereignissen, Bedrohungen und skurrilen Szenen entfacht, kann man doch nicht ganz vergessen, dass er auch ernste Themen wie Vergewaltigung, Obdachlosigkeit und Kindesmissbrauch anspricht. Dabei scheinen diese Elemente nur eingestreut zu werden, um eine Atmosphäre von Verderbnis zu schaffen, ohne dass T. A. Pratt die Gelegenheit nutzt, um den Leser auf einer emotionalen Ebene zu packen.

So ist "Hexenzorn" - wie schon der erste Band um die ungewöhnliche Hexe Marla Mason - eine nicht gerade gewaltfreie, aber doch unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, allerdings kein Roman, der einen nachhaltigen Eindruck beim Leser hinterlassen wird. Dabei bietet die Figur der Marla ebenso wie die düstere Atmosphäre der Stadt Felport viel Potenzial für eine witzige, spannende und mitreißende Urban-Fantasy-Reihe - der Autor muss es nur noch schaffen, dies alles auch konsequent umzusetzen.

Fazit:

Mit "Hexengift" bietet T. A. Pratt dem Leser eine solide, aber leider nicht vollkommen überzeugende Urban-Fantasy-Geschichte. Wie beim ersten Band ("Hexenzorn") liegt der Reiz bei diesem Roman vor allem in der ungewöhnlichen Figur der Hexe Marla Mason. Ihr radikaler Charakter sorgt neben den atmosphärischen Schilderungen der Stadt Felport und den diversen actionreichen Szenen für eine unterhaltsame Lektüre, bei der man sich aber ständig wünscht, der Autor hätte seine zahlreichen Ideen aufmerksamer und mit mehr Tiefgang umgesetzt. So reicht dieser Roman zwar für einen netten Abend auf dem Sofa, wird aber keinen langfristigen Eindruck beim Leser hinterlassen.
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