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Hexenlicht  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 6. November 2010

Hexenlicht

Originaltitel: The Dark Forgotten 1: Ravenous
Übersetzt von: Sabine Schilasky

1. Band der Reihe

Verlag: Knaur
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-3-426-65243-5
Preis: 12,99 EUR

480 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Hollys Freund hat sie verlassen, weil sie eine Hexe ist. Der umwerfend attraktive Vampir Alessandro will hingegen nichts von ihr wissen, weil sie trotz ihrer magischen Fähigkeiten ein Mensch bleibt. Doch Hollys kompliziertes Liebesleben ist noch ihr geringstes Problem, als ein Dämon auf ihre Heimatstadt losgelassen wird: Die willensstarke Hexe ist die Einzige, die ihn stoppen kann. Nur fordert solche Magie immer einen Preis ... und der ist Hollys Leben!

Meinung:

Mit "Hexenlicht" führt Sharon Ashwood den Leser in eine Welt, wie man sie inzwischen zuhauf in Urban-Fantasy-Romanen findet. Die übernatürlichen Wesen, die lange im Verborgenen lebten, haben sich inzwischen gegenüber der Menschheit "geoutet" und daraus ist eine Gesellschaft entstanden, die sich bemüht, die Interessen aller zu vereinbaren. So kann die Hexe Holly Carver offen für ihre magische Agentur werben, mit einem Vampir zusammenarbeiten und an der Universität Kurse bei nichtmenschlichen Dozenten besuchen. Doch nicht alle Menschen kommen mit den übernatürlichen Wesen in ihrer Welt gut zurecht und zu diesen gehört auch Hollys Freund Ben. Allein die Tatsache, dass Holly in seiner Anwesenheit ihre Hexenkräfte verleugnet, beruhigt den Wirtschaftswissenschaftler so weit, dass er mit ihr zusammen sein kann.

So unangenehm es für Holly ist, dass Ben sie nicht mitsamt ihrer ererbten Hexenkräfte akzeptieren kann, so wenig Zeit hat sie nach einer Geisteraustreibung im alten Flanders-Haus eigentlich noch für private Probleme. In dem besessenen Haus wird eine Frauenleiche gefunden, die - ebenso wie einige andere Frauen zuvor auf dem Universitätscampus - vermutlich von einem Vampir getötet wurde. Außerdem mehren sich die Anzeichen, dass jemand versucht, einen Dämon zu rufen, was den Untergang für Hollys Heimatstadt bedeuten könnte. Da hilft es ihr nicht, dass Ben nicht für sie da ist, während sie sich zu ihrem vampirischen Kollegen Alessandro hingezogen fühlt. Aber eine normale Beziehung mit einem Vampir ist für einen Menschen - und trotz ihrer magischen Kräfte ist Holly ein Mensch - nicht möglich. Auf der anderen Seite gibt es dann noch den Polizisten Conall Macmillan, der Hollys Hilfe nicht nur bei der Untersuchung des Flanders-Anwesens benötigt.

Sowohl das Umfeld als auch die Problematiken, die sich aufgrund einer Gemeinschaft aus Menschen und übernatürlichen Wesen sowie einer Hexe, die zwischen drei Männern steht, ergeben, sind nicht gerade neue Ideen in der Urban Fantasy. Und auch die Bedrohung durch einen Dämonenbeschwörer und die Existenz eines Massenmörders auf dem Campus bringen keine ungewöhnlichen - oder gar unvorhersehbaren - Impulse in die Handlung. Vor allem die Identität des Bösewichts, der hinter der ganzen Angelegenheit steckt, kann bedauerlicherweise viel zu schnell erahnt werden.

Dafür kann Sharon Ashwood den Leser gleich auf den ersten Seiten mit den von ihr geschaffenen Charakteren in ihren Bann ziehen. Holly ist eine sympathische, wenn auch anfangs etwas unsichere junge Frau. Obwohl die Magie zu ihr gehört, hat die Hexe Probleme damit. Sie kann zwar größere Zauber ausführen, aber seit einem Vorfall in ihrer Kindheit führt dies zu großen Schmerzen, sodass sich Holly vor allem auf kleinere Sachen konzentriert. Doch trotz dieser Einschränkung ist sie eine Carver-Hexe und gehört somit zu einer der ehemals mächtigsten magischen Familien in der Stadt.

Alessandro hingegen ist ein Vampir, der in der Stadt als Stellvertreter seiner Königin fungiert. Ihr gilt seine ganze Loyalität, denn nur weil sie ihn nach der Vernichtung seines ursprünglichen Clans aufgenommen hat, hat er all die Jahrhunderte überleben können. Einfach ist das Leben als der Kämpfer der Königin aber nicht - vor allem, wenn man sich in eine menschliche Hexe verliebt und genau weiß, dass man niemals diesen Gefühlen nachgeben darf.

So gewöhnlich Hollys und Alessandros Probleme für aktuelle Urban-Fantasy-Bücher sind, so unterhaltsam ist es, mehr darüber zu lesen, wie die beiden sympathischen Figuren versuchen, mit den Hindernissen in ihrem Leben umzugehen. Obwohl Holly für Ben immer wieder ihr Hexenerbe verleugnet hat, ist sie doch eine starke Frau, die - trotz aller Schmerzen - bereit ist, all ihre Kraft einzusetzen, um gegen das Böse anzukämpfen. Alessandro hingegen wirkt zum Teil wie ein gnadenloses Raubtier, doch durch seine Gefühle für Holly achtet er mehr als andere seiner Rasse darauf, wie es denjenigen in seiner Umgebung ergeht. Durch seine Augen lernt der Leser die komplizierten Regeln der Vampirgesellschaft kennen und sieht all die Schwachstellen, die sich aus Stolz und Hochmut bei ihnen ergeben.

Auch die Entstehungsgeschichte, die Sharon Ashwood für die Höllendimension ihrer Welt erdacht hat, bietet viele reizvolle Möglichkeiten. Denn diese Hölle ist nicht die natürliche Heimat von Dämonen, sondern eine Art zwischendimensionale Festung, in der nicht nur dämonische Wesen gefangen gehalten werden. Das stellt die Protagonisten in "Hexenlicht" schnell vor die Frage, wie weit ein Volk das Recht hat, über andere zu urteilen - und inwieweit eventuell begangenes Unrecht vielleicht doch wiedergutzumachen wäre. So bietet dieser Roman eine insgesamt zwar eher durchschnittliche, aber gut zu lesende Urban-Fantasy-Geschichte mit sympathischen Charakteren und einer vielversprechenden Höllendimension, die die Autorin hoffentlich in Zukunft zu etwas ungewöhnlicheren Handlungen bei ihrer Reihe um "The Dark Forgotten" inspiriert.

Fazit:

Obwohl Sharon Ashwood mit "Hexenlicht" zum Großteil nur die üblichen Zutaten für eine Urban-Fantasy-Geschichte verwendet und der Leser somit kaum mitreißende neue Ideen erwarten darf, ist dieser Roman sehr unterhaltsam zu lesen. Vor allem die sympathischen Hauptfiguren fesseln die Aufmerksamkeit des Lesers, aber auch die interessante Höllendimension, die die Autorin für ihre Welt erschaffen hat, regt die Fantasie an. Diese ungewöhnliche Hölle bietet noch so einiges Potenzial für weitere Geschichten in Sharon Ashwoods Urban-Fantasy-Welt, welches die Autorin hoffentlich in den folgenden Bänden ausschöpfen wird.
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