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Drei Engel für Armand  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 17. Januar 2010

Drei Engel für Armand

Originaltitel: The Stepsister Scheme
Übersetzt von: Axel Franken

Reihe: Prinzessinnen
1. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Oktober 2009
ISBN: 978-3-404-20607-0
Preis: 9,99 EUR

445 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.9

Wertung:
7.9
von 10
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Zum Inhalt:

Die Märchenwelt: Ein sonniges Land mit blauen Bächen, wo weiße Häschen über grüne Wiesen hoppeln. Oft enden solche Geschichte mit: "Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage ..." Wissen Sie was? Das ist alles gelogen!
Danielle Whiteshore (alias Aschenputtel) lebt nicht in einer solchen Welt. Ihre Stiefschwester beherrscht plötzlich machtvolle Magie und entführt Danielles Gatten, Prinz Armand. Nun braucht Danielle die Hilfe des königlichen Geheimdienstes: Talia (alias Dornröschen), ihres Zeichens Meisterin des Kampfes, und Schnee (alias Schneewittchen), eine Expertin in Spiegelmagie und Extrem-Flirten. Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd. Drei engelsgleiche Gestalten, die alles kurz und klein hauen ...

Meinung:

Jim C. Hines lässt die Geschichte von "Drei Engel für Armand" da beginnen, wo das Aschenputtel-Märchen endet. Danielle Whiteshore ist gerade erst von der Hochzeitsreise mit ihrem Prinzen Armand zurück in ihre Heimatstadt gekommen und muss nun versuchen, sich an das Leben bei Hofe zu gewöhnen. Jahrelang hat sie ihrer Stiefmutter und ihren beiden Stiefschwestern als Dienstmädchen zur Verfügung stehen müssen und nun ist sie auf einmal eine Prinzessin und muss ihren Platz zwischen all den Adligen finden. Immerhin funktioniert die Ehe zwischen ihr und Prinz Armand ganz wunderbar und so ist Danielle - trotz des ungewohnten Lebens im Palast - sehr glücklich.

So wäre sie auch gern bereit, ihren beiden Stiefschwestern - die gerade erst aufgrund der Ereignisse bei Danielles Hochzeit ihre Mutter verloren haben - zu helfen, wenn diese ein neues Leben anfangen möchten. Doch Stacia und Charlotte können sich nicht damit abfinden, dass die verhasste Danielle das Glück hatte, eine Prinzen zu heiraten. So suchen sich die Schwestern unerwartete Unterstützung und hecken einen tödlichen Plan aus. Doch Danielle überlebt den Mordanschlag ihrer Stiefschwestern, nur um festzustellen, dass diese ihren Mann Armand entführt haben.

Gemeinsam mit Talia (Dornröschen) und Schnee(wittchen), die beide für den Geheimdienst von Armands Mutter, Königin Beatrice, arbeiten, macht sich Danielle auf, um ihren Mann aus den Tiefen von Elfstadt zu befreien. Dabei findet das ehemalige Dienstmädchen nicht nur mehr über ihre beiden Begleiterinnen und ihr jeweiliges Schicksal heraus, sondern lernt auch einiges über ihr Heimatland und die Verträge und Regeln zwischen den Menschen und den Elfenvölkern.

"Drei Engel für Armand" ist eine flüssig zu lesende, erwachsene Interpretation des Aschenputtel-Themas, bei der Jim C. Hines nicht nur mit seiner humorvollen und spannenden Erzählweise, sondern auch mit seinen vielschichtig gestalteten Figuren unterhält. Danielle ist eine freundliche junge Frau, die erst einmal in jedem Menschen das Beste sieht. Doch wenn man diejenigen verletzt, die ihr nahestehen, ist sie durchaus in der Lage, sich zur Wehr zu setzen und harte Entscheidungen zu fällen. Obwohl sie anfangs recht naiv auf die Elfenwelt zugeht und regelmäßig von Talia auf verschiedene Gefahren hingewiesen werden muss, ist Danielle nicht dumm und lernt schnell mit dem doppelzüngigen Wesen der Elfen umzugehen und diese für ihre Zwecke einzuspannen.

Schnee(wittchen) hingegen ist in dieser Version des Märchens eine freizügige Person, die jederzeit zu einem Flirt - und mehr - bereit ist. Trotz dieser Leichtlebigkeit ist sie kein billiges Flittchen, sondern eine sensible und warmherzige Frau, hinter deren eigene bittere Geschichte man erst im Laufe des Romans kommt. Auch Talias Dornröschen-Hintergrund wird von dem Autor deutlich schwärzer geschildert, als es das Ursprungsmärchen schon vermuten lässt. So erklären sich die vielen Ecken und Kanten dieser Figur ebenso wie ihr kämpferisches Wesen. Talia ist vielleicht kein Charakter, den der Leser spontan auf den ersten Seiten ins Herz schließen wird, aber umso mehr Vergnügen bereitet es, die vielen Facetten ihrer Persönlichkeit zu entdecken.

Während einen beim Lesen die spannende Frage beschäftigt, ob es den drei Frauen gelingen wird, Danielles Ehemann aus den Fängen ihrer beiden Stiefschwestern zu retten, amüsiert man sich köstlich über die vielen witzigen Einfälle des Autors zu den Fallstricken im Elfenreich. So findet man zwar an jeder Ecke einen "Führer", der einen an sein Ziel bringen könnte, wenn man denn bereit wäre, den geforderten Preis für diesen Dienst zu bezahlen. Doch so lustig es ist, wenn Danielle bei ihren ersten Schritten im Elfenreich die Hilfe von gleich einem halben Dutzend potenzieller Führer abwehren muss, zeigt Talias Schicksal am Ende des Romans doch, dass auch diese heiteren Szenen schnell einen düsteren Hintergrund bekommen können.

Dank dieser gelungenen Mischung aus spannenden, düsteren, actionreichen und amüsanten Szenen bemerkt man während des Lesens kaum, dass Jim C. Hines mit seiner Geschichte manch unnötigen Umweg nimmt, um doch noch einen weiteren skurrilen Einfall in die Handlung einbauen zu können. Schon allein zu Beginn des Romans, als Danielle noch herauszufinden versucht, was ihre Stiefschwestern im Sinn haben könnten, gibt es viele "unnötige" Szenen, in denen Aschenputtels Nachbarschaft und früheres Wohnhaus vorgestellt werden. Doch auch wenn diese Elemente kaum etwas zur Handlung beitragen, sorgen gerade diese Abschweifungen für ein Gefühl von Realismus in dieser fantastischen Geschichte.

Fazit:

Jim C. Hines' ungewöhnliche und fantastische Fortführung der Aschenputtel-Geschichte ist nicht nur sehr amüsant zu lesen, sondern zeigt auch eine erwachsene und teilweise sehr düstere Sicht auf die verschiedenen klassischen Märchen. Dank der atmosphärischen Beschreibungen - zu denen allerdings auch die eine oder andere auf den ersten Blick unnötige Abschweifung gehört - und der wunderbar vielschichtig gestalteten Charaktere bereitet der Roman dem Leser vergnügliche Lesestunden, die ihm aber auch eine neue, nachdenklichere Sicht auf die Märchenklassiker ermöglichen.
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